Meinung : In wahre Werte investieren

„Geld leihen oder sparen“

von Christoph von Marschall vom 22. Juni

Vielen Dank für Ihre ausführliche Darlegung der unterschiedlichen Auffassungen zur Konsolidierung der Staatsschulden und zum Wirtschaftswachstum in den USA und in Deutschland. Sie erklären sogleich am Anfang: „Die amerikanische Regierung setzt auf Wachstum, die Deutschen wollen lieber sanieren. Im Volk sind beide Ansätze unbeliebt." Das liegt an mangelhafter Vermittlung der richtigen Strategie; denn allen kann geholfen werden. Deshalb befürworten unabhängige Experten den Mut zur Konjunkturbelebung.

Sanieren und Konsolidieren heißt nicht Sparen. Im Wirtschaftsleben und bei öffentlichen Aufgaben geht es überhaupt nicht ums Sparen, sondern um optimale Mittelverwendung. Wird jeder Euro oder Dollar so verwendet, dass er entweder vermehrt zurückfließt oder/und dazu beiträgt, die Gesamtbelastung stärker zu vermindern, kann man – unter Beachtung der Liquidität – so viel Geld ausgeben, wie man will, und die Finanzlage wird immer besser.

Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, das verfügbare Geld (auch geborgtes) so anzulegen, dass es zur Gesundung der Wirtschaft und zum Abbau der Schulden beiträgt. Beim Sparen wird zwar versucht, Schulden zu tilgen. Wird aber die Konjunktur damit beeinträchtigt, bewirken die Ausgabenrückgänge auch Wachstumsrückgänge und damit Steuerverluste aus Opportunitätskosten, was per saldo dazu führen kann, dass die Schulden eher zu- als abnehmen.

Es gilt also, beherzt zu handeln. Nicht durch blinde Verschwendung und Steuergeschenke, sondern durch Investitionen, die wahre neue Werte schaffen; denn dank des Akzelerator- und des Multiplikatoreffektes wirken Ausgaben in Investitionen besonders förderlich für die Konjunktur. Dieser Effekt vervielfacht sich bei Innovationen, z. B. bei innovativen Investitionen in die Infrastruktur, z. B. in das Verkehrswesen; denn erstklassige Verkehrsinfrastruktur ist eine der besten Voraussetzungen für prosperitive Wirtschaftsentwicklung, für Beschäftigung, Einkommen, Wachstum und Wohlstand. Dazu in Kauf genommene neue Schulden sind nie verloren; denn es wurden mit ihnen hohe Gegenwerte geschaffen. Werte, die ihrerseits wiederum gute Voraussetzungen für weiteren Aufschwung bieten.

Deshalb stellt sich nicht die Frage, wann die Politik am besten umsteuern sollte, sondern wann sie endlich anfängt, gute, fundierte Wirtschaftspolitik zu betreiben. Wenn gute Wirtschaftspolitik auch gut erklärt wird, lösen sich Spannungen im Volk wie von selbst auf. Eher wird gefordert: Fangt doch endlich an damit!

Joachim Lund, Berlin-Marienfelde

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