Meinung : In Wort und Schrift

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Deutscher zu werden, ist nicht leicht. Das Einbürgerungsverfahren ist aufwändig. Unter anderem muss der Bewerber eine „ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache“ nachweisen. Doch was heißt ausreichend? Lesen, Schreiben, Gedichte aufsagen? Das Thema ist heikel. Manche Ausländer drücken sich gewählter auf Deutsch aus als jene Deutschnationalen, die sie rausschmeißen wollen. Und warum darf es deutsch geborene Analphabeten geben, aber keine, die eingebürgert werden wollen? Gestern hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zwei Urteile gefällt. Zusammengefasst sagen sie: Allein Deutsch sprechen zu können, reicht nicht aus. Jeder Einbürgerungsbewerber muss auch Deutsch lesen können. Allerdings muss er nicht Deutsch fließend schreiben, sondern lediglich auf Deutsch schriftlich im Umgang mit Behörden verkehren können. Damit ist den Richtern eine kluge und lebensnahe Differenzierung geglückt. Lesen und Sprechen in der künftigen Heimatsprache: Das ist unverzichtbar. Schreibfähigkeiten indes sind nur in dem Maße erforderlich, wie sie praktisch notwendig sind. Der einbürgerungswillige Mensch muss sich zurechtfinden, artikulieren und gegenüber Ämtern verständlich machen können. Dann lässt er sich integrieren. Mehr zu verlangen, wäre elitär. mal

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