Meinung : Indonesien: Der lange Abschied des Präsidenten

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Im viertgrößten Land der Welt haben sich zwei Institutionen ineinander verkeilt, die beide höchst erratisch agieren. Präsident Wahid gibt mit jedem Satz, den er spricht, neue Rätsel auf. Das Parlament entdeckt nach jahrzehntelangem Marionetten-Dasein seine Macht, übertreibt dabei indes und rügt Wahid auch für Finanzskandale, die von der Staatsanwaltschaft als gegenstandslos betrachtet werden. Bis zum 1. August hat Wahid jetzt eine Galgenfrist. Dann soll er des Amtes enthoben werden. Als geübter Strippenzieher, der seine Macht nicht den Wählern, sondern dem Schmieden von Allianzen im Parlament verdankt, wird er alles daran setzen, den langen Abschied weiter hinauszuzögern. Was die Konkurrenz zwischen Exekutive und Legislative ins Krisenhafte steigert, ist die Begleitmusik. Indonesiens 210 Millionen Einwohner leiden unter dem Organisationschaos von Politik, Justiz, Wirtschaft und Gesellschaft. Nicht nur an den Rändern des Inselreichs brennt es. Und Besserung ist nicht in Sicht.

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