Ineffizientes Verteidigungsministerium : Es geht um das Leben der Soldaten

Das Verteidigungsministerium ist mit sich selbst beschäftigt und unproduktiv. Das wäre nicht so dramatisch, wenn es hierbei nicht um Menschenleben ginge. Ein Kommentar.

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Ein ineffizientes Verteidigungsministerium bringt Menschenleben in Gefahr.
Ein ineffizientes Verteidigungsministerium bringt Menschenleben in Gefahr.Foto: dpa

Warum geht es Beratungsfirmen wie McKinsey oder Boston Consulting so gut? Weil sie nach dem Durchleuchten von Unternehmensstrukturen Mängel offen ansprechen, die das Management eigentlich selbst hätte erkennen müssen, auszusprechen aber nicht gewagt hat. So betrachtet steht es um das Bundesverteidigungsministerium genauso wie um die Zentralen mancher Großunternehmen, die wie ein Wasserkopf immer weiter wachsen und am Ende das Unternehmen mehr behindern als voranbringen. Der viel geschmähte frühere Daimler-Chef, Jürgen Schrempp, hatte das in seiner ungehobelten Schroffheit einmal beim Anblick des Konzernhauptquartiers bei Stuttgart mit dem Wort „Bullshit Castle“ auf den Punkt gebracht.

Die Headquarters des Autobauers in Möhringen gibt es nicht mehr, das Management ist wieder unternehmensnah angesiedelt. Ob das beim Bundesverteidigungsministerium nach der Expertise der Bundeswehr-Kommission auch so läuft, muss man leider bezweifeln. Denn ähnliche Schlüsse wie die, die jetzt unter der Leitung von Frank-Jürgen Weise erarbeitet wurden, lagen vor einem Jahrzehnt schon einmal auf dem Tisch. Bereits die vom früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker koordinierte und nach ihm benannte Kommission hatte im Mai 2000 diagnostiziert, im Ministerium ausgearbeitete Entscheidungsunterlagen seien häufig zu wenig durch Fakten untermauert.

Jetzt heißt es, im Ministerium herrsche „allgemeine Verantwortungsdiffusion“, und „gut ausgebildete und hochmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behindern sich gegenseitig in Strukturen, die nicht erfolgsfähig sind“. Diese Feststellung ist ein Widerspruch in sich. Wenn die Mitarbeiter wirklich fachlich und charakterlich so herausragend sind, müssten sie eigentlich erkennen, dass sie sich bei ihrer Arbeit gegenseitig im Weg stehen. Erst wenn man eine weitere Empfehlung hinzunimmt, ergibt die erste Expertise Sinn: Statt 3300 reichen 1600 Beamte und Sachbearbeiter. Im Klartext: Das Ministerium ist mit sich selbst beschäftigt und unproduktiv, aber keiner will seinen Job verlieren.

Nun wäre das nicht so dramatisch, sondern nur die übliche Geldverschwendung, wenn es im Falle des Verteidigungsministeriums nicht um Menschenleben ginge. Wenn Soldaten im Kampfeinsatz, wie immer wieder von der Truppe beklagt, die falsche Ausrüstung erhalten oder mit unzureichender Bewaffnung ins Gefecht geschickt werden, kann das offenbar auch an einer fehlgesteuerten Ministerialbürokratie liegen. Die dringende Empfehlung an die politische Führung des Hauses und an die ganze Bundesregierung kann deshalb nur lauten, die Empfehlungen der Reformkommission so schnell wie möglich umzusetzen.

Und wenn die Aufteilung der Behörde auf zwei Dienstsitze in Bonn und Berlin mitursächlich für das Versagen des Amtes ist, müssen auch da die Konsequenzen gezogen werden. An einer Revision des Berlin-Bonn-Gesetzes führt dann kein Weg vorbei.

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