Meinung : Ingo Dubinski: Der doppelte Dubinski

jbh

Ingo Dubinski war Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Vor fast 20 Jahren hat er einen Kameraden in der Nationalen Volksarmee bespitzelt. Als junger Mann, der sich aus seiner IM-Tätigkeit berufliche Vorteile erhoffte. Dubinski selbst hat der Stasi nach kurzer Zeit die Mitarbeit aufgekündigt. Vor wenigen Monaten ist er enttarnt worden. "Schwere Schuld" habe er auf sich geladen, sagt Dubinski heute. Jetzt darf er seine TV-Karriere in der ARD-Unterhaltung fortsetzen. Das hat der zuständige MDR-Personalausschuss so empfohlen, drei Intendanten haben entsprechend entschieden. Der Beschluss folgt der richtigen Leitlinie, dass jeder Stasi-Fall einzeln und nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit geprüft wird. Er wird Kritik ernten. Wieso darf Dubinksi, was andere enttarnte IMs nicht dürfen? Die notwendigen Stichwörter sind das Abwägen des angerichteten Schadens und das Gewichten der individuellen Verfehlung. So agiert ein Rechtssystem, das dem Prinzip der zweiten Chance folgt. Ein junger Mensch kann irren. Dubinskis Spitzel-Opfer hat nicht nach Rache gerufen. Dubinski war ein IM, zweifellos, aber ein kleiner IM. Seine Zukunft ist nicht verbaut, die Schuld muss er sein Leben lang weiter mit sich herumtragen. Denn der Doppel-Dubinski bleibt: ein Entertainer, der auch ein IM war.

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