Meinung : Innerparteiliches Hickhack

Meinungen zu Thilo Sarrazin

Der Tagesspiegel berichtet wohltuend sachlich und nicht wie fast alle anderen Zeitungen hämisch über das SPD-Verfahren gegen Herrn Sarrazin. Diese heben vor allem hervor, dass ältere und prominente SPD-Leute wie die Herren von Dohnanyi, Steinbrück, Schmidt und auch der viel gelobte Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky sich gegen den Ausschluss ausgesprochen haben. Ob die Genannten noch heute dazu stehen, nachdem die NPD mit Sarrazin-Zitaten wirbt?

Gisela Meunier, Berlin-Charlottenburg

Eigentlich konnte die SPD Sarrazin nicht ausschließen. Denn ein Parteiausschluss soll im Prinzip nur den betreffen, der als Parteimitglied aktiv etwas zum Schaden der Partei unternimmt. Dies trifft bei Sarrazin nirgends zu. Erstens ist er zwar Mitglied, aber nicht in einer führenden Stellung und spricht daher auch nicht für die Partei. Außerdem sind seine Thesen über Unterklassenmentalitäten seine eigenen; er beansprucht nicht die Partei dafür. Seine Aufrufe zum Handeln, wie kontrovers ein paar davon auch sein mögen, gelten für die gesamte Gesellschaft, da ist halt die SPD mit inbegriffen. Und schließlich Schaden an der Partei wurde intern von einigen Idealisten gefühlt.

Die SPD bemüht sich eine Volkspartei zu sein. Da kommen halt viele Meinungen zusammen. Alle Parteimitglieder auf eine Ideologie einzuschwören, ist unmöglich. Wenn einer, der Mitglied ist, erfolgreich eigene Thesen veröffentlicht, sollte er deswegen nicht bestraft werden. Das käme sonst einer Zensur gleich. Dann hätte die SPD wirklich ein juristisches Glaubwürdigkeitsproblem.

Alan Benson, Berlin-Wannsee

Als langjähriges SPD-Mitglied begrüße ich den Verbleib von Thilo Sarrazin. Ich bin der Meinung, die SPD könne einen solchen „QuerDenker“ in ihren Reihen aushalten. Jeder Kreisverband und Ortsverein sowie viele SPD-Mitglieder mit und ohne Migrationshintergrund sollten mehr das Gespräch mit ihm suchen und sich weniger empören.

Claudia Freyburg, Berlin-Zehlendorf

Herr Gabriel bezeichnet in seinem Interview Herrn Sarrazin als einen deutschen Politiker. Herr Sarrazin hat sein politisches Amt als Finanzsenator am 30. April 2009 aufgegeben und bekleidet seitdem doch wohl kein politisches Amt mehr. Oder? Er ist zwar noch Mitglied in der SPD, aber reicht das schon aus, um weiterhin ein Politiker zu sein? Die SPD-Führung täte gut daran, sich nicht wieder in eine Sarrazindebatte hineinziehen zu lassen. Ansonsten kann es passieren, dass Herr Gabriel die enttäuschten Nichtwähler nicht mehr zurückgewinnen kann (was er als eigentliche Aufgabe der SPD sieht), sondern auch noch weitere bisherige SPD-Wähler verlieren wird.

Wir leiden nicht an einer viel zitierten Politikverdrossenheit, sondern an einer viel schlimmeren Politikerverdrossenheit, weil die handelnden „Politiker“ sinnlose Grabenkämpfe führen.

Klaus Marckhoff, Berlin-Lichterfelde

Es gibt scheinbar bei uns in Deutschland kein wichtigeres Thema. Alle Medien berichten pausenlos erstrangig und ausführlich über das langweilige Umgehen einer 20-Prozent-Partei mit einem ihrer Mitglieder. Wen außer Betroffenen und natürlich Medien interessiert das überhaupt? Naturkatastophen, kriegerische Auseinandersetzungen und willkürliche Opfer von Diktatoren sind offenbar nur nachrangig berichtenswert.

Peter Lein, Berlin-Siemensstadt

Besonders erschrocken waren viele SPD-Mitglieder, als sie erfuhren, dass der SPD-Kreis Wilmersdorf-Charlottenburg den Ausschluss-Antrag gegen Sarrazin mit der Behauptung begründete, es läge eine Nähe zur Rassenideologie der Nazis und „grundsätzliche Diffamierung des Islam“ vor, also eine Verletzung des „Gotteslästerungsparagrafen“ 166, als ob die SPD eine religiöse konservative Gemeinschaft wäre und nicht die linke Volkspartei, die immer noch den demokratischen Sozialismus im Parteiprogramm hat. Die türkische Soziologin und Frauenrechtlerin Necla Kelek hatte gegenüber der SPD schon mehrfach den unsinnigen Vorwurf gegen Sarrazin zurückgewiesen, in dem sie feststellte, dass der der Islam keine Rasse, sondern eine Religion ist.

Bernd Heller, Berlin-Charlottenburg

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