Meinung : Ins Charakterfach

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Die CSU hat hohen Unterhaltungswert. Insofern ist es komisch in jeder Hinsicht, wie Horst Seehofer sich übers Intrigenspiel gegen Edmund Stoiber beschwert. Ausgerechnet er, selber ein Meister der Zunge, redet bös’ über die, die mal so und mal so geredet haben? Sei’s drum, das gehört zum Intrigantenstadl. Bayerisches Volkstheater, populäre Aufführungen. Unterhaltsam ist aber auch, wie sich Stoiber jetzt mit der Rolle zurechtfindet, die ihm bleibt: besser als gedacht. Als wolle er ins Charakterfach wechseln. Ziemlich souverän steht er da auf der offenen Bühne, als hätte er die Hauptrolle – so, dass manche ihm den CSU-Vorsitz lassen wollen. Nun, erstaunlich ist das nicht. Erstens kann Stoiber auch Kampagne, und er hat bei Strauß gelernt, wie man sich Einfluss sichert. Manchmal muss man dafür warten können; das war allerdings bisher nie seine Stärke. Nun bleibt ihm aber nichts anderes. Zum Zweiten versieht einer wie Stoiber sein Amt bis zuletzt, wie es sich gehört. Auch deswegen wirkte er zuweilen wie ein Spitzenbeamter. Mal abgesehen davon, dass es Stoiber schmeicheln wird, richtig ist, dass er sich nicht verführen lässt. Bloß nicht CSU-Chef bleiben, selbst wenn er könnte. Der Ehrenvorsitz wäre doch viel besser: Da kann man immer mitreden, ohne Verpflichtungen, ohne den ganzen Ärger. Und mit den Jahren wird man zur Ikone. cas

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