Integrationsgipfel : Zusammen leben

Von Gerd Appenzeller

Ob der zweite Integrationsgipfel der Regierung wirklich, wie es die Bundeskanzlerin konstatierte, ein Erfolg war, wird man in einem Jahr sehen. Dann nämlich wird sich vielleicht abzeichnen, ob die angekündigten Maßnahmen zur Integration von Ausländern etwas genützt haben. Die wichtigste Erkenntnis setzte sich ja schon lange vor dem gestrigen Treffen durch. Es war der Abschied von der konservativen Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Fast 20 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, mehr als zehn Prozent der hier lebenden Ausländer sind länger als 30 Jahre bei uns. Dies und viel mehr sagen Statistiken des Bundesinnenministers, die die Versäumnisse der Vergangenheit widerspiegeln. Die Schulen in den Ballungsräumen haben das ausbaden müssen. Und in deren Folge die Gesamtgesellschaft, die sich mit einer wachsenden Zahl von jungen Menschen beschäftigen muss, die zwar hier geboren wurden, sich aber nicht auf Deutsch artikulieren können und deshalb keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Offensiv auseinandersetzen müssen sich die deutschen Behörden aber künftig nicht nur mit der Integration der bereits hier lebenden Migranten. Vielmehr gilt das auch für die Tatsache, dass deren Verwandte aus den Herkunftsländern gerne ebenfalls nach Deutschland kommen, wenn ihnen dieses Land bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten scheint als die Heimat. Dass die Bundesrepublik dann auch Bedingungen stellt, so im Blick auf Deutschkenntnisse, ist absolut normal. Jedes klassische Einwanderungsland tut das in der einen oder anderen Form.

Darüber, ob Integration gelingt, entscheiden viele kleine Details. Der Integrationsgipfel II hat immerhin signalisiert, dass die Regierung diesen Erfolg will. Da die Bundesländer an der Vorbereitung des Gipfels beteiligt waren und wichtige Beiträge dazu leisteten, können sie sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Denn ob das Zusammenleben klappt oder nicht, entscheidet sich nicht auf der Bundesebene. Es ist eine Frage der Einstellung, die der Stuttgarter Oberbürgermeister am Donnerstag in dieser Zeitung so formulierte: „In Stuttgart leben nur Stuttgarter, egal mit welchem Pass.“

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