Irak und Afghanistan : Unsere Schwäche, ihre Stärke

Was will der Westen im Irak und in Afghanistan? Diese Frage wird täglich akuter.

Malte Lehming

Was will der Westen im Irak und in Afghanistan? Diese Frage wird täglich akuter. Den Terror besiegen, Frieden schaffen mit Waffen, Demokratie exportieren, zivile politische Strukturen aufbauen: Keine Antwort überzeugt noch. Von Marokko bis Malaysia wächst der militante Islam trotz aller US- und Nato-Truppen stetig weiter. Mehr als einen Plan, etwas Sprengstoff, einen Laptop und ein Handy brauchen die Terroristen für ihre Verbrechen nicht. Ihre Stützpunkte sind längst globalislamistische Netzwerke. Sie sitzen in Ägypten, Algerien, Indonesien, Iran, Jemen, Libanon, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien. Was also nützen die Kriege im Irak und in Afghanistan?

Wahrscheinlich wenig. Vielleicht haben sie die Gegenseite sogar gestärkt. Also Abzug? An dieser Stelle wird’s diffizil. Denn mehr noch als durch Militärinterventionen wurde Al Qaida durch das Gefühl stark, der Westen sei feige, schwach und dekadent. „Er ist bereit, kalte Kriege zu führen, aber unvorbereitet, heiße Kriege zu führen“, höhnte Osama bin Laden bereits 1998. Die Serie der Blamagen fing für die USA 1979 in Khomeinis Islamischer Republik an, ging 1983 mit der Vertreibung der US-Truppen aus dem Libanon weiter und setzte sich 1993 mit der Niederlage in Somalia fort. Der 11. September 2001 illustrierte vor allem, für wie schwach und verwundbar militante Moslems den Westen heute halten.

Ein Abzug aus Irak und Afghanistan, den die Gegenseite als Niederlage interpretieren kann, würde die Attraktivität des militanten Islam enorm erhöhen. Er wäre eine Aufmunterung, ein Motivationsschub. Wir können sie vertreiben, wir können sie besiegen: Das wäre die triumphale Analyse der Terroristen. Sie sind süchtig danach, uns zu demütigen. Und wie mit jeder Sucht muss auch bei dieser die Dosis stetig erhöht werden.

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