Irak und Naher Osten : Die USA und Russland müssen zusammenarbeiten

Die großen Krisen haben mehr gemein als man auf den ersten Blick meinen könnte. Die Großmächte hätten die Chance, sie einzudämmen - gemeinsam. Dabei kann auch Deutschland helfen. Ein Kommentar.

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Sind gefordert: Die Präsidenten von USA und Russland, Barack Obama (l.) und Wladimir Putin, hier bei Gesprächen während des G8-Gipfels im Juni 2013.
Sind gefordert: Die Präsidenten von USA und Russland, Barack Obama (l.) und Wladimir Putin, hier bei Gesprächen während des...Foto: dpa

Die Weltpolitik macht keinen Urlaub. Da können der US-Präsident oder auch der, sagen wir, deutsche Außenminister noch so sehr den Versuch unternehmen, ein wenig Normalität in die aus den Fugen geratene Welt zu bringen – gelingen wird es nicht. Einmal, weil ihnen das ohnehin keiner abnimmt, angesichts der Nachrichten aus so vielen Krisenregionen, dass einem schwindelig werden kann. Zum anderen, weil es auch der Verantwortung nicht entspräche, die sie tragen und die nicht am Anzug hängt, den sie mit der Freizeitkleidung tauschen.

Die Weltpolitik kann darüber hinaus in Weltgeschichte münden, so sind diese Tage, die alles verändern. Große Krisen, von denen man meinen könnte, sie stünden unverbunden nebeneinander , wirken bei genauem Hinsehen wie Teile eines Puzzles. Wer hätte gedacht, dass sich Interessen der Saudis mit denen der Israelis in einer Weise treffen könnten, die sich gegen eine Gruppierung wie die Hamas richtet? Oder dass Ägypten sich wie Israel dem Terror der Hamas entgegenstellt? Der Hamas, die doch von der Arabischen Liga mindestens Akzeptanz erwartet.

Die USA wussten es vorher

Weltgeschichte schreibt auch, was im Irak geschieht. Der Zerfall des Landes ist weit fortgeschritten. Die USA, an ihrer Spitze der Präsident, haben in dem Wunsch, so schnell wie möglich ihre Truppen heim zu bringen, nicht mehr genau genug hingeschaut. Sonst wäre ihnen die Entwicklung hin zu den islamistischen Eroberern nicht entgangen, die ein länderübergreifendes Kalifat errichten wollen. Diese entfesselt-radikalisierten Sunniten mit ihrem entsetzlich rückwärts gewandten, im Grunde anti-islamischen Denken und Handeln öffnen zurzeit wirklich das Tor zur Hölle, von dem Saddam Hussein sprach, als er vor den Folgen seines Sturzes warnte. Die USA hätten es wissen können, ach, wussten es, denn der jordanische König hatte ihnen bereits vor Jahren die entsprechenden Hinweise gegeben, die ihre Statthalter im Irak ignorierten.

Weltpolitik ist möglich – wo jetzt der Nahe und der Mittlere Osten mit Osteuropa zusammenkommen. Wie? Nicht geografisch, sondern geostrategisch: Indem die USA und Russland ihre, wohlgemerkt, gemeinsame Verpflichtung erkennen, die Krisen zu beenden. Russland hat in Syrien, dem fast vergessenen Schlachtfeld, Einfluss auf Assad, und Syrien darf nicht in die Hände des IS fallen, damit nicht noch mehr Glaubensrichtungen einander mit Ausrottung bedrohen. Die USA wiederum müssen den Genozid des IS an den Jesiden stoppen, wenn sie ihr Engagement im Irak nicht als sinnlos und diskreditiert erscheinen lassen wollen.

Deutschlands Rolle

Wozu müsste das führen? Zum Versuch der Zusammenarbeit. Um den IS zu stoppen. Gemeinsam dem Wahnsinn entgegenzutreten könnte der ganzen Region helfen, könnte auch den schiitischen Iran beruhigen und einbinden, der ebenfalls noch gute Kontakte zu Russland hat, könnte die Katarer eindämmen, die sich mit ihrem unermesslichen Reichtum Geltung über alle Grenzen hinweg verschaffen wollen. Das könnte Rückwirkungen auf die Hamas haben, die vom Iran Waffen erhofft, könnte diejenigen Tschetschenen eingrenzen, die tatsächlich Mitglied der terroristischen Internationale sind, wie die Russen sagen. Um das alles könnte es gehen. Und darum, dass diese Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland eine substanzielle wäre, die sie auf Umwegen auch in Osteuropa wieder zusammenbrächte. Dort, wo sich beide Seiten jenseits der Barrikade befinden. Es würde geradezu gesichtswahrend beiden Mächten helfen, und der Welt insgesamt.

Die relative Abwesenheit von Außenpolitik dieser Tage, und sei sie gedacht als Demonstration von Normalität in unnormalen Zeiten, ließe sich relativ einfach beenden. Deutschland hat, zum Beispiel, immer noch die vergleichsweise besten Kontakte nach Moskau. Der Außenminister hat sie, seine Staatssekretäre haben sie, oder sei es, dass sie zunächst einen wie Egon Bahr als Emissär schickten. Die USA haben dort einen vergleichsweise versierten Russlandfachmann als Botschafter. Gemeinsam kann es gelingen, die eine Botschaft, die viele weltpolitische Wirkungen hätte, an den Mann zu bringen. Einen Versuch wäre es wert.

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