Iran : Ein einsamer Kampf

Das Bombenattentat auf Irans Republikanische Garden wirft ein Schlaglicht auf ein weiteres Problem des Landes: die Opiumproduktion.

Martin Gehlen

Es war der schwerste Anschlag auf Irans ideologische Elitetruppe seit Jahren. Kaum haben die Revolutionären Garden in den Städten mit brutaler Härte gegen das eigene Volk für fragile Ruhe gesorgt, reißt ein Selbstmordattentäter in einer abgelegenen Grenzstadt fünf hohe Kommandeure und zwei Dutzend Gardisten in den Tod.

Insofern erschüttert die Explosion einen zentralen Pfeiler des iranischen Machtgefüges, von dem das Regime unter Ajatollah Ali Chamenei und Mahmud Ahmadinedschad mehr denn je abhängt. Doch nicht nur das: Das blutige Attentat offenbart auch andere, unter der Oberfläche brodelnde Konflikte in der Islamischen Republik, die durch die Unruhen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl etwas aus dem Blickfeld geraten sind.

Die knapp sieben Millionen Menschen zählende sunnitische Minderheit fühlt sich von der schiitischen Zentrale unterdrückt und fordert mehr und umfangreichere Selbstbestimmung – auch wenn das von den sunnitischen „Gottessoldaten“ propagierte Autonomiestreben einhergeht mit einem dichten kriminellen Gewebe aus Drogenschmuggel, Menschenhandel und Kidnapping.

So gesehen wirft der Bombenanschlag – jenseits aller berechtigter Kritik an der politischen Repression Andersdenkender – auch ein Schlaglicht auf die Opiumprobleme, unter denen die iranische Gesellschaft ächzt und gegen die ihre Sicherheitskräfte einen einsamen wie aussichtslosen Kampf führen – nicht zuletzt im Interesse Europas. Knapp die Hälfte der heißen Ware aus Afghanistan, die für Frankreich, Italien, Deutschland oder Großbritannien bestimmt ist, wird durch iranische Drogenrouten nach Norden geschleust. Die südostiranische Provinz Sistan-Balutschistan an der Grenze zu Pakistan und Afghanistan gilt als gefährlichste Gegend im ganzen Land. Jede Woche sterben iranische Grenzer in Gefechten mit Schmugglern und ihren Stammeshelfern. Und gleichzeitig macht Teheran die Erfahrung aller Transitländer, dass ein erheblicher Teil der tödlichen Ware unterwegs hängen bleibt und die Gesundheit der eigenen jungen Leute ruiniert. Europa jedoch schaut weg: Seit Jahren schon erhält der Iran gegen das Treiben dieser Rauschgiftbanden keine nennenswerte Unterstützung mehr.

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