Meinung : Islamische Seelen

Endlich ist klar: Die Türkei gehört nicht in die EU

Alexander Gauland

Dass sie so schnell Recht bekommen würden mit ihren Einwänden und Bedenken gegen die Europa-Fähigkeit der Türkei – das hätten die Kritiker ihres Betrittswunsches wohl kaum vermutet. Doch nun liegt er offen zu Tage, der Zwiespalt zwischen demokratischen Regeln und kulturellen Werten, zwischen oberflächlicher Modernisierung und der islamischen Seele des Landes.

Die kemalistischen Eliten in Armee und Justiz haben gegen alle demokratischen Regeln die Wahl eines Staatspräsidenten gestoppt, weil sie – anders als die Befürworter eines Multikulturalismus in Europa und anderswo – befürchten, dass westliche Demokratie in einer islamischen Kultur den Triumph der letzteren bedeutet, also das, was die Modernisierer um jeden Preis, auch um den der demokratischen Rechtgläubigkeit verhindern wollen.

Es ist eben nicht so, wie uns die Befürworter eines EU-Beitritts weismachen wollen, dass ein paar Verfassungs- und Gesetzesänderungen tausend Jahre Geschichte auslöschen können. So lange die islamische Tradition das Denken und Handeln einer großen Mehrheit in Anatolien bestimmt, kann man eben nur entweder demokratisch oder säkular sein – mit anderen Worten: dem Willen der Mehrheit zu Kopftuch und Scharia oder dem Wunsch der städtischen Minderheiten nach Religion als Privatsache nachgeben.

Dieser Kulturkampf ist in der Türkei voll entbrannt, und es ist nicht die Aufgabe Brüssels, ihn zu entscheiden. Es war immer der Fehler des Türkei-Aufnahmeprojekts, die Kräfte der wirtschaftlichen Modernisierung zu überschätzen und die religiös-kulturellen Kräfte der Beharrung zu unterschätzen, was ein durchgehender Webfehler des europäischen Einigungswerkes in jüngster Zeit zu sein scheint.

Was aber, wenn die einen in den Dienst der anderen treten, wenn die neue islamische Mittelschicht, die die heutige Regierungspartei (AKP) prägt, am Ende gar nicht jenen laizistischen Staat will, den der Beitritt zur Europäischen Union voraussetzt, so wenig wie die alten Eliten bis heute aus den entgegengesetzten Gründen auf die Kontrolle des Religiösen verzichtet haben?

Eine Antwort auf die Frage steht fest: Es wäre für alle Beteiligten besser, den Ausgang dieses Ringens abzuwarten, bevor man die europäischen Grenzen gegen das wilde Kurdistan vorschiebt, denn eine Wertegemeinschaft ist eben mehr als paar gemeinschaftsfreundliche Rechtsnormen.

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