Islamkonferenz : Reden, beten, drohen, einigen

Auf der Islamkonferenz sind sich alle - inklusive Innenminister Schäuble einig: an unseren Schulen es soll islamischen Religionsunterricht auf Deutsch geben. Ein Ergebnis des Dialogs, meint Claudia Keller.

Claudia Keller

Die meisten Deutschen sind froh, dass ihre Kinder in der Schule nicht mehr die Hände zum Gebet falten müssen. Nun kommen muslimische Jugendliche und wollen genau dies – in der Schule beten. Es zeigt sich einmal mehr, dass die hier lebenden Muslime ein Phänomen wiederbeleben, das viele für gestrig und tot gehalten haben: öffentlich gelebter Glaube. Was, wenn 400 Schüler auf einmal auf dem Gebetsteppich niederknien? Werden sich öffentliche Schulen mittags in Moscheen verwandeln? Die einen sorgen sich um die säkulare Verfasstheit der Gesellschaft, andere sehen schon Dschihadisten im Klassenraum stehen. Die Aufregung ist groß, wie immer, wenn es um Muslime in Deutschland geht. Die Empörung ist fast schon ein Ritual geworden, wie auch alle halbe Jahre vor der Tagung der Islamkonferenz.

Vor der gestrigen Zusammenkunft muslimischer Verbände und Einzelpersonen mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gab es ebenfalls die üblichen Verdächtigungen und Drohungen. Die liberalen Muslime fürchten, dass die konservativen das Gespräch mit dem Innenminister und der Öffentlichkeit dominieren. Die Konservativen fühlen sich von den Liberalen zu säkularen Zugeständnissen gedrängt, die sie nicht machen wollen. Einer ist ausgestiegen, andere drohen damit. Auch dies gehört zum Ritual.

Und doch geht es voran. So sind sich alle einig, dass es islamischen Religionsunterricht auf Deutsch an den Schulen geben soll. Bis zur Umsetzung werden Jahre vergehen, aber wer hätte eine solche Ankündigung vor fünf Jahren für möglich gehalten? Auch, dass Schäuble noch nie mit dem Ausstieg gedroht hat, ist ein Erfolg. Immer wieder weist er darauf hin, dass nicht nur konkrete Ergebnisse wichtig sind, sondern bereits die Tatsache, dass man miteinander spricht. Recht hat er. Gut möglich, dass Schäubles Zurückhaltung während des hessischen Wahlkampfs und seine wohltuenden Beschwichtigungsversuche nach der Rede des türkischen Premiers Erdogan eine Folge dieser Gespräche waren. Schäuble lässt sich trotz großer Kritik nicht davon abbringen, auch jene Verbände einzuladen, vor denen seine eigenen Verfassungsschützer warnen. Beten? Warum nicht, sagen die Kinder, deren Klassenkameraden mittags das Haupt gen Mekka wenden wollen. Miteinander reden kann helfen gegen die Angst. Es kann auch helfen, Radikalismen abzuschleifen. Es hilft nicht immer. Aber eine Alternative gibt es nicht.

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