Israel – Ägypten : Offene Rechnung

Energiepolitik im nahen Osten.

von

Es ist natürlich mehr als ein Streit zwischen zwei Unternehmen über angeblich unbezahlte Rechnungen. Die Lieferungen ägyptischen Erdgases nach Israel waren am Nil schon unter Hosni Mubarak heftig umstritten. Der angebliche Vorzugspreis für Israel erregte die Gemüter. Außerdem soll sich ein Mubarak-Vertrauter dabei bereichert haben. Daher war der Liefervertrag ein innenpolitisches Streitthema und Inbegriff der amerika- und israelfreundlichen Außenpolitik des Ancien Régime. Der Friedensvertrag zwischen beiden Ländern ist davon unberührt. Aber die Entscheidung zeugt von einem Klimawechsel im postrevolutionären Ägypten. Am beunruhigendsten ist eigentlich, dass Ägypten die Sabotageakte gegen die Pipeline im Sinai nicht in den Griff bekommt. Schon seit Monaten fließt kein Gas mehr, weil es regelmäßig Anschläge gibt. Dieses unbehelligte Wirken von Extremisten an seiner Südflanke macht Israel wohl am meisten Angst. Gleichzeitig kann das Land relativ gelassen in die Zukunft schauen: Die Entdeckung riesiger Erdgasfelder vor seiner Küste wird das Land in wenigen Jahren nicht nur autark machen. Israel wird selbst zum Gas-Exporteur werden.

1 Kommentar

Neuester Kommentar