Meinung : Israel: Per Rücktritt zum Erfolg

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Das Ende der Regierung Barak ist unvermeidlich. Nur die Todesursache ist noch offen: Misstrauensantrag der Opposition oder Parlamentsauflösung. Neuwahlen sind spätestens im Frühsommer angesagt. Die Zeitspanne bis dahin ist die letzte Frist für den Friedensprozess. Bis zu den Wahlen müssen Ehud Barak und Jassir Arafat eine vertragliche Einigung erzielen. Barak braucht sie als Wahlkampfschlager, um seine peinliche Regierungsbilanz vergessen zu lassen, Arafat wird nie wieder einen so kompromissbereiten Partner vorfinden. Jetzt oder nie. Deshalb darf es in Israel weder zu einer Notstandsregierung noch zu einer großen Koalition kommen, in der Ariel Scharon ein Vetorecht in den Kernfragen der Verhandlungen mit den Palästinensern erhielte. Barak könnte durch seinen Rücktritt Scharon als schwergewichtigen Teilhaber der Macht verhindern und ihn zum schlagbaren Gegenkandidaten anstelle des unbesiegbar scheinenden Netanjahu machen. Doch er kämpft mit allen, auch unsauberen Mitteln, um ein paar weitere Tage seines jetzigen Überlebens. Das weckt den Verdacht, dass Barak doch kein Fighter ist - und dass seine Misserfolge nicht Zufallsprodukte sind, sondern logische Folge seiner Politik.

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