Israel und der Gazastreifen : In der Zwickmühle

Nichts geht mehr. Was immer die Israelis versuchen, um den Raketenbeschuss ihrer Ortschaften zu beenden, ist zum Misserfolg verurteilt.

Charles A. Landsmann

 Weder Panzervorstöße, Truppeneinmärsche, Luftangriffe, gezielte Beschießungen noch Boykotte, Abriegelungen oder jetzt die totale Absperrung haben der terroristischen Gewalt Einhalt gebieten können. Mit politischer oder militärischer Logik europäischen Zuschnittes hat das mörderische Geschehen im und um den Gazastreifen ohnehin nicht viel zu tun. Denn die Radikalislamisten intensivierten die Angriffe auf die israelische Zivilbevölkerung seit dem totalen Abzug aus dem Gazastreifen.

Die seit ihrem Putsch gegen die pragmatische Fatah im Gazastreifen allein herrschende Hamas droht, die Macht auch im Westjordanland gewaltsam an sich zu reißen. Ihr Endziel ist, was die Hamas-Führer offen aussprechen, keineswegs ein palästinensischer Staat neben dem jüdischen. Sondern die Hamas strebt, mit iranischer Hilfe, einen islamischen Gottesstaat auf dem gesamten Gebiet des ehemaligen Mandatsgebietes Palästina an, also einschließlich der Zerstörung des Staates Israel. Für den jüdischen Staat ergibt sich daraus keine existenzielle Bedrohung. Doch dem internationalen Ansehen Jerusalems hat die Hamas immer wieder und nun erneut schweren Schaden zugefügt mit medienwirksamen Aktionen. Wie erklärt man der Welt, dass die Kinder in den palästinensischen Flüchtlingslagern keineswegs im Kerzenlicht darben müssen – weil immer noch zwei Drittel der Stromlieferungen erfolgen –, aber drei Viertel der israelischen Kinder in Sderot von den ständigen Raketenangriffen traumatisiert sind?

Das Dilemma der Regierung um Ehud Olmert, der in der kommenden Woche mit der Veröffentlichung des Schlussberichtes zum letzten Libanonkrieg ohnehin das Aus droht, ist gewaltig. Dem Ministerpräsidenten oder dessen Nachfolger(in) bleibt wohl letztlich keine andere Wahl, als parallel zu verhandeln und zu kämpfen. Genauer: Mit der Hamas zu sprechen und gleichzeitig mit aller militärischen Macht gegen deren terroristische Aktivitäten vorzugehen.

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