Meinung : …Israel

Charles A. Landsmann

über das angebliche Testament von Palästinenserführer Arafat, der in Paris im Koma liegt Hat Jassir Arafat auf seinem Totenbett doch noch ein politisches Testament verfasst, das alle bisherigen Nachfolgeregelungen auf den Kopf stellt? Ganz Israel spekuliert über den Bericht der Tageszeitung „Maariv“. Danach soll Faruk Kadoumi, im Exil verbliebener „Außenminister“ der PLO und letzter lebender Mitbegründer der Fatah, Arafats Nachfolger als PLO-Vorsitzender und als Autonomiepräsident werden. Verfasst habe Arafat das Testament unmittelbar, bevor er im Pariser Militär-Hospital ins Koma fiel; es gebe nur zwei Kopien, eine für seine Gattin Suha, die andere für seinen Cousin und UN-Botschafter Nasser al-Kidwa.

Kadoumi lebt in Tunis und Damaskus im Exil. Er weigerte sich, nach den Friedensverträgen von Oslo mit Arafat nach Palästina zurückzukehren. Deshalb glauben Beobachter, dass er zwar PLO-Vorsitzender werden möchte, nicht aber Autonomiepräsident. Sollte es das Testament tatsächlich geben, wäre es das politische Ende für Mahmud Abbas (Abu Mahsen). Der sollte nach dem Willen der Palästinenserführung in Ramallah die Leitung eines kollektiven Gremiums übernehmen. Nun könnte Ministerpräsident Ahmed Kurei der starke Mann vor Ort werden – wenn Kadoumi im Exil bleibt.

Ebenso leidenschaftlich debattiert Israel, wo Arafat begraben wird. Ministerpräsident Ariel Scharon will eine Beerdigung in Jerusalem nicht zulassen. Er möchte, dass Arafat entweder im Gazastreifen – aus dem seine Familie stammt – oder im Ausland bestattet wird. Bei Khan Younis im Gazastreifen sind mehrere Familienmitglieder begraben, darunter Arafats Vater und seine Schwester. Alternativ sollen Israelis und Palästinenser allerdings auch heimlich einen Platz im Ostjerusalemer Vorort Abu Dis, der durch die Mauer geteilt ist, für Arafat reserviert haben. Eigentlich verlangen die Palästinenser jedoch, dass Arafat auf dem Tempelberg, den die Moslems Haram Al-Sharif nennen, beigesetzt wird. Die Vorstellung, dass Hundertausende mit Arafats Sarg von Ramallah nach Ostjerusalem marschieren, beunruhigt Israel. Bei der Beerdigung des Ostjerusalemer Palästinenserführers Faisal Husseini vor einigen Jahren hatte die Polizei die Kontrolle über die Massen verloren. In Arafats verlassenem Hauptquartier Mukata in Ramallah wurde auch überlegt, ihn hier zu bestatten, wo er als Quasi-Gefangener die letzten Jahre verbrachte. Eines aber ist klar: Wird Arafat jetzt nicht auf dem Tempelberg beerdigt, dann später. Ein Grab an anderem Ort bliebe ein Provisorium – bis zur Gründung des Staates Palästina mit Ostjerusalem als Hauptstadt.

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