Meinung : Italienische Nacht

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Es waren die Tage blinder Gewalt. Am Ende lautete die Bilanz des G-8-Gipfels in Genua: ein Toter, 108 verletzte Polizisten, 224 verwundete Demonstranten, 19 verletzte Journalisten. Und ein ebenfalls angeschlagener Rechtsstaat: Die Razzia der Polizeieinheiten in der Diaz-Schule und die Folterungen in der Polizeikaserne von Bolsaneto verdienten wahrlich die Bezeichnung „chilenische Nacht“. Es waren die schlimmsten von staatlichen Organen verübten Menschenrechtsverletzungen der jüngeren europäischen Geschichte, wie Amnesty International in einem Bericht schrieb. Eine parlamentarische Untersuchungskommission wurde eingesetzt, Staatsanwälte ermitteln. Doch nach einem Jahr hat sich herzlich wenig getan. Allein einige verantwortliche Polizeiführer wurden auf andere leitende Posten versetzt. Wie so oft drohen Ermittlungen im Dickicht der italienischen Sicherheitsapparate zu versanden. Dabei hätte schon das offenkundige Zuständigkeitschaos gereicht, eine radikale Reform der Polizeikräfte anzupacken. Die Mitte-Rechts-Koalition zeigte jedoch von Anfang an wenig Elan, die menschenverachtenden, teilweise rechtsextremen Zirkel in manchen Polizeieinheiten aufzubrechen. Angst muss in Italien also weniger der folternde Polizist haben als der Bürger, der in die Fänge der Polizei gerät. clw

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