IWF-Direktor : "Tempo ist nötig"

Dominique Strauss-Kahn kennt sich aus mit dem Euro. Der frühere französische Finanzminister ist inzwischen Chef des IWF - und kann mit dem Zögern Angela Merkels in der Griechenlandfrage wenig anfangen.

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Dominique Strauss-Kahn
Dominique Strauss-KahnFoto: dpa

Wenn es einen Franzosen gibt, der mit der Entstehungsgeschichte des Euro und den unterschiedlichen mentalen Einstellungen zur Gemeinschaftswährung in Deutschland und Frankreich bestens vertraut ist, dann ist es Dominique Strauss-Kahn. Der heutige Chef des Internationalen Währungsfonds war im Mai 1998 in Brüssel dabei, als Deutschland und Frankreich darum rangen, ob denn nun ein Niederländer oder ein Franzose auf den neu zu vergebenden Spitzenposten der Europäischen Zentralbank (EZB) gehoben werden sollte. Am Ende des Gipfeltreffens kam der Franzose Jean-Claude Trichet erst einmal nicht zum Zuge (heute sitzt er auf dem Chefsessel in Frankfurt am Main), alles andere wäre wahrscheinlich auch zu viel des stabilitätspolitischen Risikos für die Deutschen gewesen.

Strauss-Kahn war damals französischer Finanzminister, und sein Widerpart in Deutschland hieß Theo Waigel. Aus dieser Zeit stammt auch die deutsch-französische Grundsatzdebatte über den Euro: Während Waigel seinerzeit mit Vorliebe über die Pflicht zur Haushaltskonsolidierung dozierte, pflegten die Franzosen schon damals lieber das Steckenpferd einer stärkeren Koordinierung der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Der alte Streit ist nun mitten in der Griechenlandkrise erneut aufgeflammt.

Für den Deutschlandkenner Dominique Strauss-Kahn könnte es also ein Déjà-vu-Erlebnis werden, wenn er und Trichet an diesem Mittwoch in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel sowie den Bundestagsfraktionen über die geplanten Hilfen für Griechenland sprechen. Merkel möchte den Preis für die Hilfe hochtreiben; dabei geht es ihr um die Stabilität des Euro.

Der IWF-Chef kann mit der Zögerlichkeit der Kanzlerin aber wenig anfangen. Seine Organisation und die europäischen Partner wüssten, „dass Tempo nötig ist“, sagte der 61-Jährige am Wochenende in Washington nach einem Treffen mit dem Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Mit Hilfe des Rettungspaketes für Griechenland, an dem sich der IWF in diesem Jahr mit bis zu 15 Milliarden Euro beteiligen will, würde Strauss-Kahn den Washingtoner Geldgebern auch Einfluss auf die Politik der EZB verschaffen. Welche Rendite die Aktion in Strauss-Kahns Heimatland abwirft, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Frage, ob er 2012 bei den Präsidentschaftwahlen für die Sozialisten antreten könnte, lässt er offen. Albrecht Meier

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