Jahrhundertflut : Rückkehr der Deichgrafen

Katastrophen wie eine Flut sind die Stunde der Exekutive. Sie, die Regierenden, haben die Befehlsgewalt und auch die finanziellen Mittel, um zu helfen. Von ihnen erwartet man nicht nur Grüße aus der Ferne, man will ihre Hand auf der Schulter spüren. Solange die Hubschrauber der Regierungschefs keine Deiche zerstören, solange sie neben den um ihr Hab und Gut Kämpfenden in Gummistiefeln durch die Fluten waten, ist alles gut. Gerhard Schröder wusste das, er kannte die Macht der Bilder, er hat 2002 kurz vor der Bundestagswahl die Stiefel aus dem Schrank geholt und Hilfe versprochen. Edmund Stoiber stand seinerzeit sehr lange in dünnen Ledertrittchen am Rand und sah zu. Zu lange stand er da, die Leute haben so einen nicht zum Kanzler wählen wollen. Vulgo: Wenn die Flut kommt, im Wahljahr, dann packt die Gummistiefel aus! Die Kanzlerin tut es jetzt. Es ist ihre Aufgabe und fertig. Wahltaktik wird es erst, wenn sie stört, statt zu helfen. Für Peer Steinbrück ist es schwerer. Fährt er zu früh, dann heißt es, er will nur mit aufs Deichfoto. Fährt er zu spät, halten ihn die Wähler für einen kalten Hund. Zum politischen Deichgrafen oder zur Deichgräfin wird man nicht geboren. Das muss man erfühlen. asi

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