Meinung : Janusköpfig

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Die Vereinten Nationen müssten in einer Weise erneuert werden, „wie wir uns das nicht vorstellen können“, sagte ihr Generalsekretär im vergangenen Herbst. Er hat Recht behalten: Seine Vorschläge überstiegen offenbar die Vorstellungskraft so vieler Mitgliedsländer, dass es die große Reform nicht geben wird. Schon jetzt ist klar, für Annans Hauptziel, die Erweiterung des Sicherheitsrates, wird es keine Mehrheit geben. Die Vereinten Nationen werden auch nach diesem Gipfel noch die alten Vereinten Nationen sein. Annan hatte während der Irakkriegsdebatte erkannt, dass von der Existenz der UN allein längst nicht mehr genug Autorität ausgeht, um noch Einfluss auf den Gang der Welt nehmen zu können. Vermutlich würden die 170 Regierungschefs ohne ihn gar nicht erst darüber reden, wie man das politische und moralische Gewicht der UN stärken könnte. Dass Annan deren Vorstellungskraft am Ende nicht stärker wecken konnte, lag aber auch daran, dass sein eigenes moralisches Gewicht durch den Korruptionsskandal beim Ölfür-Lebensmittel-Programm erheblich geschrumpft war. mos

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