Japan : Revolution ohne Wandel

Zum ersten Mal haben die Japaner eine Regierung abgewählt. Wird jetzt alles anders? Nein

Finn Mayer-Kuckuk

Japan hat es geschafft. Erstmals seit über einem halben Jahrhundert haben die Wähler des Inselreichs eine amtierende Regierung abgewählt. Nippon wird damit etwas mehr so wie andere      Demokratien. Doch bringt der Spitzenkandidat Yukio Hatoyama wirklich den Wandel, den er verspricht? Sicher nicht. Die Japaner kennen nur zwei Zustände: radikale Totalreformen aller Lebensbereiche oder zähes Festhalten an Traditionen. Derzeit beherrscht das zweite Extrem das Land: Eine alternde und mutlose Gesellschaft will am liebsten in die glitzernden 80er Jahre zurück, als Japans Konzerne sich anschickten, die USA aufzukaufen. Die Japaner haben Hatoyama also trotz der schicken Phrasen von Wechsel, Wandel und Change nicht gewählt, um mit ihm in die Zukunft aufzubrechen. Sie wollen ihr Land weiter gegen Einwanderung abschotten, die Beziehungen zu den Nachbarn weiterhin nicht verbessern, und ihre Armee weiterhin nicht für internationale Friedenseinsätze zur Verfügung stellen. Sie wagen es auch nicht, durch den Rückzug des Staates den Abbau der Rekordschulden in Angriff zu nehmen. Stattdessen verspricht Hatoyama das Unbezahlbare: höheren Mindestlohn, mehr Kindergeld, kostenlose Autobahnen, weniger Krankenkassenbeiträge für Rentner. Langfristig wird der Staatshaushalt damit gegen die Wand fahren. Hatoyama weiß das. Doch er riskiert die Enttäuschung seiner Landsleute, um erst einmal gewählt zu werden. fmk

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