Jaroslaw Kaczynski kandidiert : Familienerbe

Wir müssen seine Mission beenden“ – so begründet Jaroslaw Kaczynski seine Kandidatur zum Präsidenten. Die Wahl im Juni macht er damit zur Abstimmung über das Erbe seines Bruders Lech. Jaroslaws Bewerbung überrascht dabei ebenso wenig wie das Pathos seiner Ankündigung; in den vergangenen Tagen hatte er die Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk als Märtyrer bezeichnet und damit ein tragisches Unglück zum polnischen Opfermythos verklärt. Genau darin liegt das Problem seiner Kandidatur. Denn immer mehr Polen zweifeln daran, ob es richtig ist, Smolensk zum neuen Katyn zu machen – und aus dem Tod Lech Kaczynskis innenpolitisch Kapital zu schlagen. Schon mit der Empfehlung, seinen Bruder inmitten polnischer Könige in der Wawelburg beizusetzen, hatte Jaroslaw einen schweren Fehler gemacht. Seine Kandidatur könnte nun der zweite sein – auch deshalb, weil der streitsüchtige Jaroslaw für so ziemlich jedes Amt vorstellbar ist, nur eben nicht für das des Präsidenten. Hat er deshalb bis zum letzten Moment seine Kandidatur herausgezögert? Er könnte geahnt haben: Wenn er verliert, dann wird er der „Mission“ seines Bruders womöglich mehr geschadet haben, als wäre er niemals angetreten. SB

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