Jay Leno, US-Talkmaster : "Unsere Dollars retten deutsche Banken"

US-Präsident Barack Obama steht zum ersten Mal schlechter da als sein Vorgänger George W. Bush zum selben Zeitpunkt seiner Präsidentschaft. Abhilfe soll ein Auftritt bei Talkmaster Jay Leno schaffen. Ein Porträt des bissigen Gastgebers.

Christoph von Marschall
Jay Leno
Soll Obama zu besseren Umfragewerten verhelfen: Jay Leno. -Foto: dpa

In der Not sind fast alle Mittel recht. Barack Obamas Ansehen sinkt dramatisch. Deshalb ist er heute Abend in einer populären Talkshow zu Gast: Jay Lenos „Tonight Show“. Das klingt, als würde Angela Merkel bei Harald Schmidt oder Stefan Raab auftreten – und ist doch ganz anders. Die US-Shows sind politisches Kabarett. Gastgeber wie Leno, David Letterman oder Bill Maher kommentieren das Tagesgeschehen mit Gags, die sich Kompanien hauptberuflicher Pointenschreiber täglich ausdenken. Auch ihre prominenten Gäste müssen Humor zeigen. Zugleich wird von ihnen aber politische Substanz erwartet. Was sie dort sagen, gilt als ebenso seriöse Neuigkeit wie ein Interview in der Hauptnachrichtensendung. In Deutschland dagegen bleibt man entweder seriös, also staubtrocken wie bei Anne Will, oder es soll nur locker geplaudert werden, über Brionimäntel, Zigarren, erste Lieben und die Jugend als Pseudorocker mit Moped und wildem Haar – lang ist’s her.

Kurzzeitig hieß es, Obamas Auftritt bei Leno sei der erste eines amtierenden Präsidenten. Das stimmt nicht ganz. George W. Bush hat es vorgemacht. Wer weiter sucht, wird wohl auch bei Clinton und Reagan fündig. Ungewöhnlich bleibt es doch. Obama will den Popularitätsverfall stoppen. Als er ins Amt kam, galt Bush als Urheber der Wirtschaftskrise. Je länger der Neue regiert, umso lauter werden die Fragen, wann seine Maßnahmen greifen – und die Zweifel, ob sie helfen. Mitte Februar standen 67 Prozent hinter ihm, nur ein Drittel unterstützte die Republikaner. Jetzt lauten die Zahlen 56 zu 43 Prozent. Erstmals steht Obama schlechter da als Bush zum selben Zeitpunkt seiner Präsidentschaft.

Zorn löst aus, dass Konzerne, die Milliardenhilfen kassieren, ihren Managern üppige Boni zahlen. Am Montag spottete Leno, der Versicherungsriese AIG habe 35 Milliarden Dollar aus dem Hilfspaket an europäische Banken weitergereicht. Die Boni gehen auf Absprachen zu Bushs Rettungspaket zurück. Die Zahlungen ans Ausland sind rechtmäßig. AIG hat kassiert, als Europa sich gegen Kreditausfälle rückversicherte. Der Fall ist eingetreten. Doch die Bürger lachten bitter, als Leno höhnte: „Unsere hart verdienten Dollars retten deutsche Banken!“ Kann Obama das erklären? Leno, 58-jähriger Sohn einer Einwanderin aus Schottland, moderiert die „Tonight Show“ seit 17 Jahren und noch bis zum 29. Mai. Dann bekommt er eine neue Sendung – unter eigenem Namen. 

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