Meinung : „Jede Gruppe kann nur zu ihrem Gott beten“

Ursula Weidenfeld

Joachim Kardinal Meisner hat den katholischen Religionslehrern des Erzbistums Köln untersagt, „multireligiöse Feiern“ mit Kindern abzuhalten. Gemeint sind damit Gebetsgottesdienste, in denen infantile Angehörige christlicher Religionen gemeinsam mit anderen Kindern beten. Der gemeinsame Gesang zum Advent, das Krippenspiel und der Martinszug seien nicht verboten, aber das gemeinsame Gebet. Die Richtlinie des Erzbischofs ist weithin auf scharfe Kritik gestoßen.

Wäre es ein hoher Vertreter des Islam oder auch nur der Mainzer Kardinal Lehmann gewesen, der eine solche Richtlinie herausgegeben hätte, würde man der Sache wahrscheinlich sogar einige Plausibilität zubilligen. Bei der Suche nach Möglichkeiten für die Ökumene und den Dialog der Weltreligionen muss auch die Suche nach den Grenzen erlaubt sein: Kinder, die noch kein gefestigtes Verständnis des eigenen Glaubens haben, können sich auf das gemeinsame Gebet der Weltreligionen – das auch in der katholischen Kirche stattfindet – nicht angemessen vorbereiten. Gemeinsame Gottesdienste setzen ein gemeinsames Gottesverständnis voraus – und solange der eigene Gottesbegriff nicht im Glauben gefestigt und im Verstand verankert ist, bringt die Beimischung anderer Religionen vielleicht mehr Folklore, aber keineswegs mehr Toleranz, Verständnis oder Glauben in die Welt.

Nicht mehr und nicht weniger hat der Kardinal gesagt. Aber es ist eben nicht ein toleranter, von der Botschaft der Ökumene geprägter Bischof, der diese Richtlinie erlassen hat, sondern es ist Kardinal Meisner. Meisner ist ein Bischof, der sein Erzbistum rücksichtslos auf die Linie des Laienordens Opus Dei trimmt. Er ist der Kardinal, der die katholische Schwangerschaftskonfliktberatung Donum Vitae so lange in Rom angeschwärzt hat, bis sie in der katholischen Kirche endgültig Hausverbot bekam. Er ist der Nachfolger des heiligen Maternus auf dem Kölner Bischofsstuhl, der aus dem früher tolerantesten Sprengel der katholischen Kirche heraus ein gemeinsames Abendmahl der beiden großen christlichen Religionen beim ökumenischen Kirchentag in Berlin so lange infrage gestellt hat, bis es verboten wurde. Joachim Meisner steht in seiner Haltung noch weit rechts von den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Seine Klarheit im Glauben hat nichts Großzügiges mehr. Es ist längst ins Verknöcherte und Rechthaberische gewendet.

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