Meinung : Jeder Anfang braucht ein Ende

IG METALL UND NEUHARDENBERG

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Geld ist schnöde, aber sensibel, wie man an den zackigen Aktienkursen immer wieder sehen kann. Die sollen in der nächsten Woche nach oben zeigen, heißt es bei Kennern. Warum? Weil ein Streik beendet und eine Steuersenkung angekündigt worden ist. Zwei Ereignisse summieren sich zum Grundgefühl Hoffnung, die doch nur zufällig an einem Wochenende stattgefunden haben. Ein zeitliches Zusammentreffen allerdings, das wieder einmal daran zweifeln lässt, ob es Zufälle überhaupt gibt. Oder den Eindruck verstärkt, dass im wirklichen Leben der Zufall der beste Regisseur ist. Denn was könnte einen Neuanfang glaubhafter machen als das übersehbare Ende des Altbekannten? Die mächtige IG Metall, die über Jahrzehnte alle Register von Sozialpartnerschaft und Klassenkampf meisterlich ziehen konnte, bricht unter ihrem Streik zusammen, an Selbstüberhebung. Die roten Fahnen werden eingerollt – in einem Theaterstück wäre das eine ziemlich peinliche Symbolik. Im wirklichen Leben könnte nichts drastischer als das klägliche Ende dieses Streiks unterstreichen, dass Deutschland wirklich neue Wege gehen muss. Das ist viel wirkungsvoller als die politische gewollte Inszenierung des rotgrünen Kabinetts, ihre Hoffnungsbotschaften aus einem Ort zu verkünden, der an große Reformen erinnert. So einfach wie die Börse können es sich Bürger, Politiker und Interessengruppen auf den neuen Wegen allerdings nicht machen. Nach dem großen Schauspiel dieses Wochenendes geht es an die schnöde Kleinarbeit, und die sollte man besser nicht dem Zufall überlassen.tib

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