Meinung : „Jeder Manager …

Guillaume Decamme

… wird irgendwann mit schwierigen Situationen konfrontiert .“

Die Konkurrenz stempelte ihn als „Linken“ ab – was als Schimpfwort verstanden werden soll. Die kommunistische Zeitung „L’Humanité“ sieht in ihm den Spross einer Industrie-Dynastie – was nicht weniger böse gemeint ist. Danone-Chef Franck Riboud hat viele Feinde und eine originelle Abwehrtaktik – er schweigt. Interviews gibt er so gut wie keine, und wenn er sich öffentlich äußert, hat er meistens Wichtiges zu verkünden. Zuletzt war das am Donnerstag der Fall.

Danone, der französische Milchproduktehersteller, dem er seit 1996 vorsteht, soll vom US-Riesen PepsiCo übernommen werden, und Riboud will das nicht ohne weiteres geschehen lassen. „Ich bin Garant der Kultur und der Unabhängigkeit meines Unternehmens“, sagte er der Pariser Wirtschaftszeitung „Les Echos“.

Dass ein Konzernchef solch dramatische Töne anschlägt, ist eine Seltenheit – erst recht, wenn er als wortkarg gilt. Aber dem 49-jährigen Franck Riboud geht es diesmal nicht nur um die Rettung des Prunkstücks der französischen Nahrungsindustrie. Es ist auch ein Kampf um die Familienwürde – Danone wurde vor 40 Jahren von seinem Vater, Antoine, gegründet.

Nach dem Abschluss an der Polytechnischen Hochschule im westschweizerischen Lausanne stieg das jüngste von vier Kindern beim Familienunternehmen als Controlling-Chef ein. „Meine Lernjahre“, nennt er die heute – und wohl die schwierigsten. Denn Riboud musste von Anfang an gegen das Image des favorisierten Söhnchens ankämpfen. Ein Ruf, der ihm bis 1996 anhaften blieb, als ihm der Patriarch die Konzernführung anvertraute.

Dem diskreten Riboud gelang es rasch, aus dem einst kleinen Provinzunternehmen einen weltumspannenden Multi zu machen. In China macht Danone heute doppelt so viel Umsatz wie in Frankreich. Das Kapital liegt mehrheitlich in ausländischer Hand. „An Danone ist nur noch der Reisepass Franck Ribouds französisch”, spottet das Wirtschaftsblatt „La Tribune“. Der ironischen Bemerkung wird Riboud, der sich mit den Beschäftigten immer dialogbereit gezeigt hat, wohl nicht widersprochen haben. Vor vier Jahren ließ er Kekswerke ins Ausland verlagern – Tausende französische Beschäftigte verloren ihren Job.

Fern sind die Zeiten, als der Firmengründer, Antoine Riboud, martialisch sagte: „Danone ist wie die Kathedrale von Chartres, und die Kathedrale von Chartres verkauft man nicht.”

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