Jelenko Filaret Micovic : „Ich bleibe, bis mein Leben endet“

Weil ihn das UN-Tribunal auf eine schwarze Liste von 46 mutmaßlichen Fluchthelfern von Mladic und Karadzic gesetzt hat, verweigert die Regierung von Montenegro dem serbischen Bischof Filaret nun die Einreise.

Thomas Roser

Fast zwei Wochen schon campiert der Kirchenfürst im Niemandsland. Zwanzig Grenzbeamte hatten dem serbisch-orthodoxen Bischof Jelenko Filaret Micovic die Einreise nach Montenegro verwehrt. Der streitbare Gottesmann richtete sich am Grenzübergang Raca daraufhin demonstrativ in einem Zelt mit Elektronikgenerator ein – und schmückte sein Domizil mit dem Banner „Hungerstreik Tag 1“. Er bleibe, bis sein Gesuch auf Einreise erfüllt werde – „oder mein Leben endet“, kündigte der 60-Jährige an.

Für Schlagzeilen hat der im bosnischen Borca geborene Kirchenmann schon oft gesorgt, meistens mit nationalistischen Ausfällen und Solidaritätsbekundungen für mutmaßliche Kriegsverbrecher. Mit geschulterter Flinte posierte er im vollen Ornat im Kroatienkrieg 1991 vor einem serbischen Panzerwagen. Während des Bosnienkriegs suchte er die Nähe zum befreundeten Serbenführer Radovan Karadzic und General Ratko Mladic: Die beiden flüchtigen Nationalisten gelten als Hauptverantwortliche für das von Truppen der bosnischen Serben 1995 begangene Massaker an rund 8000 Menschen in der Muslimenklave Srebrenica.

Unter Serbiens Ex-Präsident Slobodan Milosevic diente Filaret als stellvertretender Religionsminister. Im Untersuchungsgefängnis des UN-Tribunals in Scheveningen war der militante Gottesmann nach der Auslieferung des Autokraten ein regelmäßiger Besucher. Wie dem später in der Haft verstorbenen Milosevic gewährte der Kuttenträger auch dem dort einsitzenden Chef der nationalistischen Radikalen, Vojislav Seselj, seine seelsorgerischen Dienste.

Seine engen Kontakte zu angeklagten Kriegsverbrechern haben die Bewegungsfreiheit des Bischofs indes eingeschränkt. Weil ihn das UN-Tribunal auf eine schwarze Liste von 46 mutmaßlichen Fluchthelfern von Mladic und Karadzic gesetzt hat, verweigert ihm die Regierung des 2006 unabhängig gewordenen Montenegro nun die Einreise. Zwar umfasst sein Bistum auch Teile von Nord-Montenegro. Doch der junge Staat will die Annäherung an Nato und EU nicht gefährden. Vor einer Einreise müsse der Bischof erst seine Probleme mit dem Tribunal klären, so Präsident Filip Vujanovic. Serbiens Kirche müsse verstehen, dass Montenegro seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen suche. Filaret bestreitet den Vorwurf der Fluchthilfe, macht aus seiner Sympathie für die gesuchten Angeklagten aber keinen Hehl. Wenn er könnte, würde er ihnen durchaus helfen. Thomas Roser

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