Meinung : Jenseits der Fragen

NAME

WO IST GOTT?

Als mich die Bitte erreichte, über die Frage „Wo ist Gott?" zu schreiben, war ich in Jerusalem. Ein Selbstmordattentäter hatte Minuten zuvor 19 Unschuldige ermordet. „Wo ist Gott?" fragte ich mich, als ich kurz darauf die Bilder der Kinderleichen sah. Ratlos und ängstlich, aber auch voller Wut saßen wir westeuropäischen Besserwisser auf der leeren Hotel-Terrasse. Und nun sollte ich auch noch über Gott nachdenken!

Mir fällt es nicht mehr so leicht, mich mit Gott zu beschäftigen wie in meiner Jugend. Aber er ist seit meiner Geburt Teil von mir. In meinem Herzen verankert. In meinen Gedanken präsent. Es gab eine Zeit, da wollte ich von ihm nichts wissen, habe ihn nicht mehr um Rat gebeten. Indessen war er doch unablässig da. Ich habe nie daran gezweifelt, dass er mich beschützt. Er tat es damals als ich aus Afghanistan floh, 13 Jahre alt und allein. Ohne ihn wäre ich nie ans Ziel gekommen.

Ich habe gelernt, über Gott nicht mehr zu diskutieren. Ich bin Moslem und habe viele christliche Freunde, die ständig die Existenz Gottes hinterfragen. Ich finde, das ist sinnlos. Wenn es einen Punkt gibt, wo ich mit mir nicht mehr diskutieren lasse, dann ist die Frage nach der Existenz Gottes. Ich glaube fest an ihn. Meine christlichen Freunde verlangen von mir oft Beweise. Sie reden über die Ungerechtigkeit, die er zulasse. Ich halte es da lieber mit dem 37. Psalm:

Entrüste Dich nicht über die Bösen,

sei nicht neidisch auf die Übeltäter.

Denn wie das Gras werden sie verdorren,

und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.

Hoffe auf den Herrn und tue Gutes,

bleibe im Land und nähere Dich redlich.

Hab Deine Lust am Herrn;

Der wird Dir geben, was Dein Herz wünscht.

„Wo ist Gott?" So einfach ist die Antwort. So naiv, sagen meine Freunde. Ja, so naiv.

Der Autor ist Geschäftsführer der Fernseh-Produktionsfirma AVE in Berlin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben