Jewgenija Timoschenko: : „Ich bin keine Politikerin“

Sie sieht aus wie ihre Mutter - und kämpft nun fast allein für sie. Ein Porträt von Jewgenija Timoschenko.

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Foto: AFP
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Als Politikerin sieht sich Jewgenija Timoschenko nicht – und doch ist das, was sie tut, keineswegs privat, sondern hochpolitisch: Sie kämpft für ihre Mutter, die frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko, die im Gefängnis sitzt. Mit ihrer Unterstützungskampagne ist sie durchaus erfolgreich, auch bei der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton und Bundeskanzlerin Angela Merkel fand sie bereits Gehör. In dieser Woche wird sie wieder in Berlin erwartet, zu einer Veranstaltung der Unionsfraktion im Bundestag.

Die 32-Jährige mit den blonden Haaren, die ihrer Mutter so ähnlich sieht, hatte bereits im Januar in einem eindringlichen Appell gewarnt, dass das Leben ihrer Mutter in Gefahr sei. Jewgenija Timoschenko ist außer einem Anwalt die Einzige, die die berühmteste Gefangene des Landes regelmäßig besuchen kann. Der Vater lebt im tschechischen Exil, weil er sich in der Ukraine wachsendem Druck durch die Behörden ausgesetzt sah. Von dem Geschäftsmann hört man zur Inhaftierung seiner Frau wenig, und so vertritt allein Jewgenija die Familie in der Öffentlichkeit. Die Ukraine verlassen will sie nicht, weil sie ihre Mutter weiter besuchen möchte. Auch während des Prozesses gegen Julia Timoschenko wich die Tochter nicht von ihrer Seite. Die Bilder von der Urteilsverkündung, als Jewgenija Timoschenko die Hand ihrer Mutter hielt, gingen um die Welt.

Die Tochter ging früh ihre eigenen Wege: Sie studierte an der London School of Economics und heiratete einen britischen Rockmusiker, von dem sie inzwischen wieder geschieden ist. Während ihre Mutter in den 90er Jahren auf nie ganz geklärten Wegen im Energiegeschäft zur Millionärin wurde, kümmert sich Jewgenija heute nach eigenen Angaben um mehrere Restaurants, die sie besitzt.

Jetzt aber dreht sich für sie alles um die dramatische Situation ihrer in der Haft erkrankten Mutter. Die Tochter war es auch, die sich an die Charité wandte und um eine Behandlung ihrer Mutter durch Spezialisten der Berliner Klinik bat. Diese Lösung hätte für Julia Timoschenko zugleich der Weg in die Freiheit sein sollen, die Bundesregierung setzte sich massiv dafür ein – doch die ukrainische Führung lehnte ab. Nun wird die frühere Regierungschefin von einem deutschen Arzt im Eisenbahnerkrankenhaus in Charkiw behandelt, bleibt damit allerdings eine Gefangene des Regimes. Ihre Tochter Jewgenija wird ihr auch dort weiter zur Seite stehen. Claudia von Salzen

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