Meinung : Jobvermittlung: Privatweg - nicht für alle

alf

Zum Thema Ted: Sollen Arbeitsämter privatisiert werden?
"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." Sollte sich Bernhard Jagoda wirklich nach dieser Devise aller Zahlenjongleure gerichtet haben? Bis kommenden Freitag hat der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit Zeit, um die Umgereimtheiten in der Vermittlungsstatistik aufzuklären. Das Ultimatum hat ihm Arbeitsminister Walter Riester gesetzt. Wenn Jagoda Fragen offen lässt, dann wird der Chef der rund 90 000 Mitarbeiter sich verabschieden müssen. Und dann will Riester den Arbeitsämtern mit mehr privaten Vermittlern Dampf machen. Das hört sich gut an, doch die Formel "mehr Private gleich mehr Arbeitsplätze" geht so nicht auf. Es gibt inzwischen mehr als 5000 Lizenzen für die Vermittlung von Arbeitskräften, und diese 5000 haben im vergangenen Jahr rund 150 000 Jobs vermittelt. Zum Vergleich: Selbst wenn man eine gehörige Summe für mögliche statistische Verschönerungen abzieht, so kommen die Arbeitsämter immer noch auf mehr als drei Millionenen Vermittlungen. Insbesondere die schweren Fälle - Langzeitarbeitslose, schlecht Qualifizierte, Alleinerziehende, Ältere und Ausländer - werden kaum von den Privaten betreut. Deshalb bleibt die Bundesanstalt unverzichtbar. Aber nicht zwingend als Behörde, deren Mitarbeiter vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. Allein 2001 gab es rund 40 behördliche Erlasse zur Statistik-Erstellung. Wer die alle beachten wollte, der hatte kaum noch Zeit für die Arbeitslosen.

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