Johannes Ebert wird Generalsekretär des Goethe-Instituts : „Deutschland ist gefragt“

Zuletzt war er Regionalleiter des Goethe-Instituts in Moskau. Jetzt ist Johannes Ebert Generalsekretär der Institution. Ein Porträt.

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Foto: privat
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Er sei aus „gutem Goethe- Holz“ geschnitzt und ein „pragmatischer Visionär“. So charakterisiert Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts (GI), seinen neuen Generalsekretär. Hundert Tage ist Johannes Ebert nun im Amt, wahrscheinlich aber mehr noch im Flugzeug. Die erste Auslandsreise hat ihn nach Johannesburg geführt, er war in diesen drei Monaten in Mumbai und New Delhi, Ramallah und in Warschau zum Antrittsbesuch.

In den kommenden fünf Jahren wird Eberts Alltag nicht viel anders aussehen. Als Kulturmanager mit globalem Radius hält der GI-Generalsekretär eine Menge Bälle in der Luft. Ende Juni wird das „Deutschlandjahr“ in Russland eingeläutet, mit einer Vielzahl kultureller Veranstaltungen. Auch die deutsche Wirtschaft präsentiert sich. Ebert hat da keine Berührungsängste. Ob die beiden Staatsoberhäupter an der Zeremonie in Moskau teilnehmen, steht noch nicht fest. Das hängt auch von der internationalen Entwicklung ab, Syrien und der Sicherheitsrat dürften dabei eine Rolle spielen.

Hier fühlt sich Johannes Ebert, 1963 in Ulm geboren, doppelt angesprochen. Moskau war seine letzte Station als Goethe-Regionalleiter, zuvor war er in Kairo. Er ist Islamwissenschaftler, studierte ein Jahr in Damaskus. Derzeit muss die Goethe-Dependance in der syrischen Hauptstadt geschlossen bleiben, während die sogenannte Tahrir Lounge in Kairo während der hoffnungsvollen Tage und Nächte des Arabischen Frühlings eine gewisse Berühmtheit erlangte – als Ort für Begegnungen und offene Debatten. Nun denkt man in der Münchner Zentrale über die Eröffnung eines Instituts in Tripolis nach. Noch aber wirkt die Lage in Libyen zu unsicher. In den Goethe-Aktivitäten spiegeln sich Geschichte und Politik unmittelbar. Auch Myanmar ist im Gespräch.

In den vergangenen Jahren hat das Goethe-Institut flexible Strategien entwickelt. Nach 1989 lag ein Schwerpunkt in Osteuropa, längst sind auch die neuen Mächte wichtige Spielfelder: China, Brasilien, Indien sowieso. Dort genießt Goethe – unter den Namen des Indologen Max Müller – besondere Beliebtheit. „In der Krise ist Deutschland gefragt“, sagt Ebert – als Geld- und Ideengeber. In Spanien und in Griechenland haben die Deutschkurse immer mehr Zulauf, meist von jungen Auswanderern. Europa aber ist und bleibt ein kulturelles Projekt, was sonst. Die Probleme liegen vor der Haustür. Da müssen die Goethe-Menschen auch nicht so weit reisen. Rüdiger Schaper

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