Meinung : Johannes Rau in Sebnitz: Eine Reise in die richtige Richtung

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Im besten Fall ist der Bundespräsident so etwas wie ein ideeller Gesamtdeutscher. Darum war es schon richtig, dass Johannes Rau nach Sebnitz gefahren ist. Zu dem Ort, an dem ein sechsjähriger Junge aus noch ungeklärten Gründen ums Leben gekommen ist. Zu dem Ort, dem eine Kollektivschuld an seinem Tod zugeschrieben wurde. Zu dem Ort, an dem sich Rechtsradikale ungestört zusammenrotten konnten. Rau hat versucht, die trauernden Eltern mit drei wütenden ehemaligen Verdächtigen zu versöhnen. Das kann keiner so wie er. Der Bundespräsident hat außerdem "einige Medienvertreter" darum gebeten, "sich bei der Stadt Sebnitz zu entschuldigen". Das ist zu wenig, weil einige Medien so grob ihre Pflicht verletzt haben, dass eine Entschuldigung zu leicht und zu billig wäre. Und es ist nicht angemessen für die Medien, die zwar nicht wortwörtlich Falsches geschrieben haben, aber zunächst der Assoziationskette Opfer-Osten-Rechtsradikalismus gefolgt sind, wie sie durch die Haftbefehle nahe lag. Zweihundert Ossis schauen zu, wie Rechtsradikale einen Jungen ermorden. In Kaiserslautern wäre das wohl nicht so leicht geglaubt worden. Solche professionelle Skepsis neu zu lernen, ist wichtiger als eine Entschuldigung.

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