JOHN ATTA-MILLS, NEUER STAATSCHEF IN GHANA: : „Ich will ein Präsident für alle sein“

Die Wahl des neuen Präsidenten in Ghana ging knapp aus. Doch Unruhen nach den Wahlen, wie man sie aus Nigeria, Kenia oder Simbabwe kennt, sind ausgeblieben. Der Sieger präsentiert sich jetzt als afrikanischer Obama.

Wolfgang Drechsler
248114_0_9291ac54.jpeg
Foto: AFP

Dass es eng würde, war von vornherein klar. Doch dass es am Ende derart knapp würde, hatten nur ganz wenige geahnt: Rund 25 000 von mehr als 9 Millionen abgegebenen Stimmen entschieden am Ende über den Sieg von John Atta-Mills bei der Präsidentschaftswahl in Ghana. Während der Kandidat der Opposition 50,23 Prozent aller Stimmen erhielt, kam sein Rivale Nana Akufo-Addo von der bisher regierenden Neuen Patriotischen Partei auf 49,77 Prozent.

Mit der Anerkennung des Resultats durch Akufo-Addo scheint der westafrikanische Kakao- und Goldstaat nun möglicherweise der Gewaltspirale zu entrinnen, wie man sie von der Zeit nach den Wahlen aus Nigeria, Kenia oder Simbabwe kennt. Der 64-jährige Universitätsprofessor soll am Mittwoch vereidigt werden und löst dann auch offiziell den bisherigen Amtsinhaber John Kufuor ab, der ihn zuvor zweimal geschlagen hatte. Nach zwei Amtszeiten durfte Kufuor nun nicht mehr kandidieren.

Gleich in seiner ersten Rede gab sich Atta-Mills staatstragend und versöhnlich. „Ich versichere den Ghanaern, ein Präsident für alle zu sein“, versprach er am Samstag seinen mit weißen T-Shirts bekleideten Anhängern, die den Sieg ihres Kandidaten in Accra mit einem Hupkonzert feierten. Ganz unbekannt ist dem in London promovierten Wirtschaftsexperten die Macht nicht: Von 1997 bis 2000 war er bereits Vizepräsident unter Jerry Rawlings, der in Ghana jahrelang als Militärführer geherrscht, das Land aber auch Anfang der 90er Jahre in die Demokratie geführt hatte.

Atta-Mills präsentiert sich als afrikanischer Obama, der ein besseres Ghana will. Als Beleg dafür verweist er auf seinen Wahlsieg, da dieser bereits den zweiten demokratischen Machtwechsel seit Einführung des Mehrparteiensystem im Jahre 1992 markiert – ein Novum für das postkoloniale Afrika und seine Einparteienstaaten. Bei dem nun beschworenen Neubeginn kann sich Atta-Mills fest auf den Westen verlassen. Denn der hat Ghana schon wegen dessen Reputation als Vorzeigestaat mit Hilfsgeldern geradezu überhäuft. Fast hat es den Anschein, als wollten die westlichen Geberländer hier mit Macht den Beweis dafür antreten, dass Entwicklungshilfe doch irgendwie nutzt. Hinzu kommt, dass der Westen nach dem Absturz von Simbabwe, Kenia und der Elfenbeinküste dringend einen neuen Vorzeigestaat auf dem Schwarzen Kontinent braucht.Wolfgang Drechsler

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben