John Edwards, Ex-Präsidentschaftskandidat : "Ich bin nicht der Vater dieses Babys"

Christoph von Marschall

Monatelang hatte John Edwards die Beziehung geleugnet. Im Rückblick fragen die großen US-Medien selbstkritisch, warum sie der Affäre so wenig Aufmerksamkeit schenkten. Schließlich war Edwards bis Ende Februar ein Präsidentschaftskandidat, der mit seiner heilen Familie und seiner fast heilig anmutenden Ehe Wahlkampf führte. Und der sollte mit einer anderen Frau ein Kind gezeugt haben, während seine Frau mit Krebs kämpfte? Nun gut, es stand im „National Enquirer“, einem jener Schmuddelblätter, auf die seriöse Medien mit zugehaltener Nase herabblicken.

Am Freitag trat Edwards die Flucht nach vorn an. Der „Enquirer“ hatte die nächste Folge gedruckt, mit einem verwaschenen Foto, das angeblich den 55-jährigen Demokraten mit der fünf Monate alten Tochter und deren Mutter Rielle Hunter in einem Hotelzimmer in Beverly Hills zeigte. Er gestand dem Sender „ABC“, dass er 2006 „einen schrecklichen Fehler begangen“ und einige Monate eine Affäre mit Hunter gehabt habe. „Wegen des Timings“ könne er aber nicht der Vater sein; das Mädchen kam am 27. Februar 2008 zur Welt. Er bot einen Vaterschaftstest an.

Jetzt folgte die nächste überraschende Wende: Die Mutter lehnt den Vaterschaftstest ab, sie wolle ihre Privatsphäre schützen. Hunter, eine inzwischen 44-jährige blondgelockte Schauspielerin und Filmerin, hatte Wahlkampfvideos für Edwards gedreht. In der Geburtsurkunde des Babys ist kein Vater eingetragen. Laut der offiziellen Version ist Andrew Young, einer von Edwards Spendeneintreibern, der Vater. Der „Enquirer“ behauptet, Hunter gebe im privaten Umfeld an, Edwards habe das Kind gezeugt. Die Medien spekulieren über hohe Zahlungen als Schweigegeld. Hunter lebt inzwischen in Santa Barbara in Kalifornien, in einem Drei-Millionen-Dollar-Haus. Fred Baron, ein reicher Edwards- Freund, sagt, er habe ihr beim Umzug „finanziell geholfen“.

Edwards politische Karriere ist wohl beendet. Sein Name war in den Spekulationen, wem Barack Obama die Vizepräsidentschaft oder ein Ministerium anbieten werde, seit Wochen nicht mehr gefallen. Amerika bewegen zwei Fragen: Hat die Affäre den Krebsrückfall bei Elisabeth Edwards ausgelöst? Sie hatte 2006 davon erfahren. Und: Wie konnte Edward es wagen, dennoch zu kandidieren? Er musste damit rechnen, dass es herauskommt – nicht nur zu seinem Schaden, sondern dem seiner Partei.

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