John McCain, Präsidentschaftsbewerber : "Was ihr nicht hören wollt, aber wissen müsst"

Er ist der sprichwörtliche "Maverick“: ein herrenloser Jungstier ohne Brandzeichen. In den USA ist das ein Politiker, der mehr Querdenker als Parteimensch ist, der persönlichen Überzeugungen folgt und nicht ideologischen Leitlinien.

Christoph von Marschall

So einer ist John McCain. Deshalb führt er plötzlich das Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber an. Vor einem halben Jahr hatten sie ihn abgeschrieben, weil seine Wahlkampagne pleite war. Wie Hillary Clinton war er bereits 2006 groß eingestiegen, hatte früh einen viele Millionen Dollar teuren Apparat aufgebaut, um den Kampf um die Nominierung als „Frontrunner“ zu führen. Doch dann blieben die nötigen Wahlkampfspenden aus, eben weil er ein „Maverick“ ist und gegen die öffentliche Meinung die Truppenverstärkung im Irak unterstützte.

Jetzt hat sein Eigensinn Konjunktur. Die Gewalt im Irak geht zurück. Die Republikaner suchen verzweifelt nach einem Kandidaten, der gegen Hillary Clinton oder gegen Barack Obama die Hauptwahl im November gewinnen kann. Das trauen sie McCains Konkurrenten immer weniger zu. Mitt Romney ist zu glatt und opportunistisch. Rudy Giuliani repräsentiert nach dem Bauchgefühl des Mittleren Westens zu sehr das dekadente New York. Mike Huckabee, der Baptistenpfarrer, bezaubert zwar die religiöse Rechte, hat aber keine landesweit starke Organisation. McCain sitzt seit 20 Jahren im US- Senat, kennt jeden in der Parteihierarchie, und jeder kennt ihn. Sie haben sich oft über ihn geärgert, weil er unverfroren falsch nennt, was er für falsch hält – gegen den amtierenden Präsidenten und gegen die Parteilinie. Aber deshalb respektieren sie ihn auch. Sein Vorwahlsieg in New Hampshire hat gezeigt, dass die Wähler ihn mögen.

Er ist ein nationaler Held. Im Vietnamkrieg wurde er 1967 als Marinepilot abgeschossen, kam fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft und wurde im berüchtigten „Hanoi Hilton“ gefoltert. Die Vietnamesen boten eine vorzeitige Entlassung an, weil sein Vater und Großvater als Admirale dienten. McCain schlug aus, er wollte nicht besser behandelt werden als seine Kameraden.

Ein Nachteil sind sein Alter und die eingeschränkte Gesundheit, teils Spätfolge der Folterung. Zudem erkrankte er an Hautkrebs. Am Wahltag wird er 72 sein. Noch nie war ein Präsident zu Beginn der ersten Amtszeit so alt. Er geht offensiv damit um: „Gebt mir die Chance, Amerika noch ein bisschen länger zu dienen.“

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