José Graziano da Silva, Chef der FAO : "Ein Traum, den viele träumen, ist Wirklichkeit"

Der Kampf der Vereinten Nationen gegen den Hunger hat ein neues Gesicht: Der Brasilianer José Graziano da Silva ist neuer Chef der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO).

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Seit Januar ist Lula da Silva nicht mehr Präsident Brasiliens – und erringt dennoch weiter politische Erfolge. Die Ernennung von José Graziano da Silva zum Chef der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) ist so einer. Der Italo-Brasilianer setzte sich dank massiver Lobbyarbeit Lulas in einer Stichwahl mit 92 Stimmen gegen den ehemaligen spanischen Außenminister Miguel Angel Moratinos durch, der 88 Stimmen bekam. Graziano löst den Senegalesen Jacques Diouf ab, der die Organisation 18 Jahre lang führte. Die FAO, mit einem Budget von einer Milliarde Dollar und 3600 Mitarbeitern die größte UN-Agentur, wird damit weiterhin von einem Vertreter des Südens geführt. In seiner Antrittsrede in Rom dankte Graziano denn auch den Entwicklungsländern und insbesondere den Afrikanern. Diese setzen verstärkt auf die Kooperation mit aufstrebenden Ländern wie Indien, China oder eben Brasilien. Letzteres ist unter Lula da Silva zu einem politischen und wirtschaftlichen Schwergewicht geworden und wird im Süden als ehrlicher Makler wahrgenommen. Auch hierfür steht Grazianos Wahl: Der 61-jährige in den USA Geborene ist der erste Brasilianer auf einem UN-Direktorenposten.

Internationales Renommee erlangte Graziano als brasilianischer Minister für Lebensmittelsicherheit mit dem Programm „Fome Zero“ („Null Hunger“), das 2001 begann. Daraus ging unter anderen die Initiative „Bolsa Familia“ („Familienstipendium“) hervor, die heute weltweit das Modell für erfolgreiche Armutsbekämpfung ist. Dank der Programme ist die Unterernährung in Brasilien um 25 Prozent zurückgegangen, rund 24 Millionen Brasilianer stiegen aus der Armut auf. Besonderen Wert legte der Agrarökonom Graziano dabei auf die Unterstützung von Kleinbauern und Frauen.

Graziano steht nun vor der Aufgabe, die FAO zu reformieren, der ein vernichtendes Gutachten fehlende Transparenz und ausbleibende Erfolge attestiert hat. Außerdem hat Graziano es mit 925 Millionen Hungernden zu tun, mit extrem gestiegenen Lebensmittelpreisen, Landraub, ausgelaugten Böden sowie der Konkurrenz durch Biosprit und Mastfutteranbau. Der Brasilianer will eine nachhaltige Lebensmittelproduktion dagegen setzen und für mehr Fairness im Handel kämpfen. Vor welcher Herkulesaufgabe er steht, dürfte er ahnen. In seiner Bewerbungsrede zitierte er John Lennon: „Ein Traum, den viele träumen, ist Wirklichkeit.“

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