Josef Ackermann : Bankchef im Schafspelz

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Wenn man Josef Ackermann dieser Tage reden hört, könnte man glauben, er habe die Seiten gewechselt. Die Banken seien „Diener der realen Wirtschaft“, man müsse die Übertreibungen der vergangenen Jahre korrigieren, fordert der Deutsche-Bank-Chef kurz vor seinem Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Dabei darf man nicht vergessen: Ackermann, der damit kokettiert, dass er künftig verstärkt an seinem Golf-Handicap arbeiten will, wird nie ein Fürsprecher des Gemeinwohls werden, er ist und bleibt ein Vertreter seiner Zunft.

Es ist nur zufällig so, dass der Banker und die Politiker gerade in einem Boot sitzen. Beide wollen sie den Euro und das Projekt Europa retten. Logisch. Frieden und Wohlstand nutzen allen Bürgern, auch den Aktionären. Die Bilanzen der Banken würden empfindlich leiden, wenn noch mehr Staaten an den Rand der Pleite taumeln sollten. Genau wie die Politik hegt Ackermann tiefes Misstrauen gegenüber dem spekulativen Chaos an den Märkten. Schließlich leidet auch sein Haus unter der Unberechenbarkeit der Märkte. Wenn die Lage nicht besser werde, sagt Ackermann, müsse selbst die Deutsche Bank über ein Sparpaket nachdenken. Um das zu verhindern, fordert er eine „neutrale Instanz“, die Herdenverhalten und Ungleichgewichte rechtzeitig erkennt und gegebenenfalls rechzeitig eingreift.

Nur: Wenn eine Institution wie der Internationale Währungsfonds, die genau diese Aufgabe hat, laut vor der mangelnden Kapitalausstattung der Banken warnt, will Ackermann ihr den Mund verbieten. So werden die Banken die Staaten immer erpressen können: Wenn ihr uns in Haftung für eure Schuldenkrisen nehmt, gehen wir pleite. Ackermann sagt es ja selbst: Die Finanzbranche sollte sich eigene Regeln verpassen, damit die Politik ihr nicht mit härteren Gesetzen zuvorkommt. Die Politik muss deshalb nun handeln, um ihrerseits wirkungslosen Selbstverpflichtungen und Besserungsschwüren zuvorzukommen.

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