Josef Ackermanns Erbe : Die Zukunft hat schon begonnen

Selbst jetzt, da die Deutsche Bank zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte einen Jahresverlust ausweisen muss, kann Josef Ackermann sein Redford-Lächeln nicht abstellen. Nicht wenige kreiden ihm das als Arroganz an. Dabei weiß der Manager nur zu gut: Er ist entzaubert, und das gründlich.

Ewald B. Schulte

Das Redford-Lächeln ist sein Markenzeichen, er bekommt es einfach nicht aus seinem Gesicht. Selbst jetzt, da die Deutsche Bank zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte einen Jahresverlust ausweisen muss, kann Josef Ackermann das Lächeln nicht abstellen. Nicht wenige kreiden das ihm, der Reizfigur des deutschen Finanzgewerbes, als Arroganz an. Dabei weiß der Manager nur zu gut: Er ist entzaubert, und das gründlich.

Josef Ackermann steht für eine außerordentlich erfolgreiche Etappe in der Geschichte des größten deutschen Geldinstituts. Der Manager trieb die Internationalisierung der Bank rasant voran, Bilanzvolumina und Renditen erreichten unter seiner Regie zuvor kaum vorstellbare Dimensionen. Das zahlte sich für Aktionäre und Management gleichermaßen aus. Möglich wurde dies, weil in der Bank per Machtkampf eine rigorose Konzentration auf das Kapitalmarktgeschäft durchgesetzt wurde. Damit wurde zuletzt gut zwei Drittel des Konzerngewinns erwirtschaftet.

Die enorme Gewinnsteigerung erkaufte sich das Institut allerdings mit fragwürdigen Transaktionen. So waren die Investmentbanker der Deutschen Bank maßgeblich an der Entwicklung und dem weltweiten Handel jener strukturierten Kreditpapiere beteiligt, deren mangelnde Substanz die Finanzmärkte ins Wanken brachte.

Insoweit ist es nur konsequent, wenn Josef Ackermann für sein Institut die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen zur Krisenbewältigung ausschließt. Zumal die Bank, auch dank der gerade in den vergangenen Jahren erwirtschafteten Reserven, deutlich besser aufgestellt ist als das Gros der nationalen und internationalen Konkurrenz.

Fraglich jedoch ist, ob Ackermann mit dem trotzigen Verweis auf die eigene Stärke seinem Institut einen Gefallen tut. Schon jetzt ist klar: Die Deutsche Bank steht erneut vor einer Zäsur. Nach dem weltweiten Scheitern der Investmentbanker muss die Bank ihre übergroße Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft nachhaltig reduzieren. In den Fokus kommen das Retailgeschäft mit den lange Zeit verschmähten Privatkunden und die Pflege der Firmenkunden – auch und gerade in Deutschland.

Traumrenditen von zwanzig Prozent plus x sind da nicht mehr drin. Gefragt ist vielmehr auch beim Branchenprimus Deutsche Bank eine an der Wirklichkeit des wirtschaftlich Machbaren orientierte neue Bescheidenheit. Und gefragt sind dabei Manager, die nach dem Erstürmen der Gipfel jetzt die Mühen der Ebene ebenso wenig scheuen wie den partnerschaftlichen Kontakt zum kleinen Mittelständler vor Ort, dessen Existenzsicherung für das Geldgewerbe insgesamt in der Krise einen völlig neuen Stellenwert bekommt.

Für die Deutsche Bank bisheriger Prägung sind das Herausforderungen, die einem Kulturbruch gleichkommen. Und selbst in der Bank wird längst darüber spekuliert, ob Josef Ackermann der Richtige ist, wenn es darum geht, diesen radikalen Wandel tatsächlich glaubwürdig zu gestalten. Der Vertrag des Schweizers läuft Mitte nächsten Jahres aus, bis dahin aber dürfte dieser Umsteuerungsprozess nicht abgeschlossen sein. Da ist es schon sinnvoll, darüber nachzudenken, ob anstelle des Victory-Man nicht doch schon bald ein anderer das Steuer übernehmen sollte.

Ein solcher Schritt würde es der Bank auch erleichtern, sich aus der von Ackermann stets so vehement betonten exponierten Stellung zu lösen, und sich im alten Verständnis des „Primus inter Pares“ wieder in die Gemeinschaft der deutschen Geldinstitute einzureihen.

Dass die Finanzmarktprobleme noch längst nicht überstanden sind, weiß die Deutsche Bank am besten. So manchem Spitzenmanager in der Frankfurter Taunusanlage schwant deshalb auch, dass bei einer weiteren Verschärfung der Krise in der Realwirtschaft selbst der Größte in bislang nicht gekannte Nöte geraten könnte. Deshalb muss sich die Bank auch für das Schlimmste wappnen: den Sprung unter den staatlichen Rettungsschirm. Das aber ist mit Josef Ackermann an der Spitze nicht vorstellbar.

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