Jürgen Haraeus : "Wir arbeiten daran, dass wir besser werden"

Der neue Unicef-Vorsitzende Jürgen Haraeus hat eine gewaltige Aufgabe vor sich: Er muss das ramponierte Image der Kinderschutzorganisation Unicef wieder aufpolieren und zugleich die Stimmung an der Basis besänftigen.

Jürgen Zurheide

Große Aufgaben schrecken den Mann nicht. Obwohl Jürgen Heraeus nur zu gut weiß, wie sehr das Ansehen von Unicef in der Öffentlichkeit gelitten hat, formuliert er gleich bei seinem ersten Auftritt ein anspruchsvolles Ziel. „Deutschland war jahrelang international der größte Spender für Unicef, jetzt sind wir hinter Japan zurückgefallen“, beginnt er den Satz und fügt mit ruhiger Stimme hinzu, „wir arbeiten daran, dass wir wieder besser werden“. In solchen Momenten hellen sich die Gesichtszüge von Reinhart Schlagintweit auf, der aus sicherer Distanz verfolgt, wie sich sein Nachfolger bei der Pressekonferenz als neuer Vorsitzender von Unicef schlägt. Natürlich schießen ihm in solchen Momenten all die Zahlen durch den Kopf, die ihn in den zurückliegenden Monaten geschmerzt haben; in der Tat hatte Unicef in der Krise 37 000 Förderer verloren, der finanzielle Verlust summiert sich inzwischen auf sieben Millionen Euro.

Schwerer wiegt der Ansehensverlust des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Als eine der größten Spendenorganisationen der Republik hatte man in den vergangenen Jahren jeweils an die 100 Millionen Euro bei den Bürgern eingesammelt; es gehörte zum guten Ton, sich für Unicef zu engagieren. Schlagintweit war es gelungen, eine Balance zwischen professioneller Arbeit und den vielen ehrenamtlichen Gruppen zu halten. In der kurzen Regentschaft seiner Nachfolgerin Heide Simonis ging diese Balance verloren; die gesamte Organisation nahm Schaden, als die SPD-Politikerin ihren Streit mit dem aus ihrer Sicht zu eigenmächtigen Geschäftsführer Dietrich Garlichs auf die Spitze trieb. Monatelang herrschte Krieg, am Ende mussten sowohl Garlichs wie Simonis zurücktreten.

„Raus aus den Schlagzeilen, rein in die Sacharbeit“, ruft deshalb der Hamburger Reeder Peter Krämer, einer der neuen Mitstreiter von Jürgen Heraeus. Der hat in seinem Leben gezeigt, dass er vor großen Aufgaben nicht zurückschreckt. Der 71-jährige hat sein Familienunternehmen zu einem weltweiten Spieler gemacht. Die Hanauer Heraeus-Gruppe ist bei Edelmetallen genauso zu Hause wie im Bereich von Medizinprodukten; das Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von zehn Milliarden Euro und beschäftigt über 11 000 Mitarbeiter. Dass bei Unicef viel Arbeit auf ihn wartet, weiß Heraeus. „Ich will lieber an der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft mitwirken, als mir die Zeit mit Bridge- oder Golfspielen zu vertreiben“, lautet sein Motto.

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