Julia Klöckner: : „Sie haben es verzockt, Herr Beck“

Sie war Weinkönigin, Journalistin und Religionslehrerin. Nun wachsen Julia Klöckners Chancen, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz zu werden. Ein Porträt

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Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
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Julia Klöckner kann das schon gut: gewinnen, ohne Gewinner zu sein. Schon im März 2011 strahlte sie so glücklich, als hätte sie bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz die absolute Mehrheit für die CDU geholt. Dabei hatte sie es nicht geschafft, Ministerpräsident Kurt Beck abzulösen. Doch gewonnen hatte sie, weil der elf Prozentpunkte verlor und sich nur hauchdünn vor seiner Herausforderin ins Ziel rettete.

Spätestens von diesem Tag an war klar: Die CDU-Frau, die im Dezember 40 wird, ist für die Macht der Sozialdemokraten die ernsthafteste Gefahr seit vielen Jahren. Am Mittwoch, bei der Sondersitzung im Mainzer Landtag zur Nürburgring-Pleite, hat sie das erneut bewiesen. Ihre Rede war brillant, so dass nicht nur die eigene Fraktion begeistert war, sondern hochrangige Sozialdemokraten zugaben: „Das war richtig gut.“

Als „geländegängig“ hat sich die Theologin und ehemalige Religionslehrerin einmal bezeichnet. Es war der nette Dreh, zu sagen, dass auch sie ,nah bei de Leut’ steht, was eigentlich Becks Lieblingsmerkmal ist. Klöckner kann das, rausgehen, Leute anquatschen, volksnah sein, und, das schwant den Sozialdemokraten schon lange, vielleicht ist sie dabei authentischer als der 63-jährige, einstige SPD-Bundesvorsitzende.

Klöckner war auch Weinkönigin und Journalistin, und sie ist eines der größten Talente der CDU, vor allem, weil sie Konservatives und Modernes gleichermaßen verkörpern kann. Zudem ist sie längst versiert auf Berliner Politparkett und wird nun als eine Stellvertreterin Angela Merkels gehandelt, zu der ihr ein enger Draht nachgesagt wird. Seit 2002 ist sie im Bundestag, das Mandat hat sie wie auch das Amt als Staatssekretärin im Verbraucherministerium für die Arbeit als Oppositionsführerin niedergelegt. Negativ fiel sie nur auf, als sie 2009 als Mitglied der Zählkommission vor dem offiziellen Ergebnis twitterte, dass Horst Köhler wieder zum Bundespräsidenten gewählt worden sei.

Zu Hause hat sie es geschafft, eine am Boden liegende Partei aufzurichten und ihr ein frisches Gesicht zu geben. Die CDU war verstrickt in Datenklau- und Finanzaffären – keine gute Voraussetzung, um Beck „Vetternwirtschaft“ vorzuwerfen. Nun hat sie Beck mit einem Misstrauensvotum gedroht. Sie weiß, auch hier wird sie noch nicht siegen. Aber Stück für Stück gewinnt sie an politischer Größe. Bei der nächsten Wahl wird es für jeden schwer, sie als Gewinnerin zu verhindern.

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