Meinung : Junioren für die Jugend

Die neue Lehrerausbildung sollte Schule machen

Tissy Bruns

Und wie sind eure Neuen? Am ersten Tag nach den Sommerferien ein klassisches Thema – früher. Denn mit der Überalterung der Lehrer-Kollegien ist der Schülerklatsch über neue Lehrer an den Schulen fast ausgestorben. Das könnte sich ändern, wenn Berlin Ernst macht mit den Plänen zur Reform des Lehrerstudiums. Dann wird die Antwort auf die alte Frage lauten: Kein Plan – aber die eine sieht ja aus wie zwanzig!

Berlin will aus vielen Nöten eine Tugend machen und neue Bachelor-Studiengänge für die Lehrerausbildung schaffen. Bachelor- und Master-Abschlüsse sind ein vernünftiges Reformprojekt der Bundesbildungsministerin. Mit dem kleinen Nachteil, dass deutsche Arbeitgeber bislang so recht nichts anzufangen wissen mit den Absolventen, die effizienter und schneller zu ihren Abschlüssen kommen. Die traditionellen Lehramts–Studenten sind von der Politik seit geraumer Zeit für überflüssig erklärt worden. Mit der Folge, dass Studiendauer, Abbrecherquoten und das Berufseinstiegsalter hier besonders hoch sind. Und noch größer ist oft die Enttäuschung. Denn das praxisferne Studium hält den Studenten die Frage nach ihrer Eignung und Begeisterung für den Lehrerberuf so lange vom Leib, bis es zum Wechseln einfach zu spät ist.

Nach sechs Semestern Bachelor-Studium mit viel Praxis sollen junge Leute künftig in den neuen Beruf des Schulassistenten oder Juniorlehrers einsteigen können. Mit der Option, nach drei Jahren Berufspraxis einen Master-Studiengang mit Lehrer-Abschluss anzuschließen. Das Modell bricht an vielen Stellen mit dem Gewohnten. Die Schulassistenten wären keine Beamten und die Bachelor/Master-Lehrer vermutlich auch nicht. An den Schulen gäbe es künftig zwei grundsätzlich unterschiedene Strukturen für Bezahlung und Rang von Lehrern. Der strikte Unterschied der Gewichtung fachlicher und pädagogischer Ausbildung von Grundschullehrern auf der einen und Gymnasiallehrern auf der anderen Seite wäre ausgehebelt. Der Kampfbegriff gegen die Schulassistenten steht deshalb schon fest, bevor Politik und Hochschulen die neue Ausbildung beschlossen haben: Hier kommt der Billiglehrer.

Soll er doch kommen! Lehrerausbildung und Schulen stecken in einer Sackgasse. Lehrer sein, das ist so undankbar geworden, dass niemand tauschen möchte. Warum? Die Schulen leiden an unverschuldeter Stagnation, weil sie abgeschottet sind gegen den pädagogischen Nachwuchs. Neue, junge Lehrer sind wie frischer Wind.

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