Meinung : Kämpferisch friedlich

hmt

Oft waren die Entscheidungen des Nobelpreis-Komitees umstritten. Aber gegen die Auszeichnung Kofi Annans und der UN ist kein Protest bekannt geworden. Dabei scheut der 63-jährige Ghanaer keine Konflikte und forderte auch gestern in seiner Festrede wieder den Kampf gegen Armut als Voraussetzung der Menschenrechte. Aber Annan ist eben ganz Diplomat in seinem Vorgehen - er versteht sich als ein Anwalt, aber nicht als ein fanatischer Vorkämpfer der Dritten Welt. Auch das ist eine Voraussetzung dafür, dass er den Riss zwischen der Weltorganisation und den USA kitten konnte. Ein willfähriger Agent der Supermacht ist Annan auch nach dem 11. September nicht geworden, wie zuletzt seine Warnung vor einem Vorgehen der USA gegen den Irak bewies. Annans zweite große Leistung ist die Reform der aufgeblähten UN-Verwaltung. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten hat er neben der Aidsbekämpfung den Schutz der Menschenrechte, Gleichberechtigung von Frauen, Bildung und Umweltschutz erklärt. Übrigens: Weil Annan Ressourcen stets optimal nutzen will, drängt er auch die Regierung des größten EU-Landes zu größerem Engagement in internationalen Angelegenheiten. Dass diese Verantwortung im Sinne der UN auch große Risiken birgt, erfahren die Deutschen gerade am Beispiel Afghanistans.

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