Kalle hat verstanden : Mubaraks Rede war schlechter als Monica Lierhaus'

Der Vergleich zwischen Hosni Mubarak und Monica Lierhaus ist vielleicht ein wenig unorthodox. Dennoch entdeckt Matthias Kalle Parallelen - und fühlt sich auch ohne Internet informiert.

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Monica Lierhaus, hier ein Archivbild von 2008, kehrt nach ihrer schweren Krankheit zurück auf die Bildschirme.
Monica Lierhaus, hier ein Archivbild von 2008, kehrt nach ihrer schweren Krankheit zurück auf die Bildschirme.Foto: dpa

Am Donnerstagabend war Monica Lierhaus nicht im Fernsehen, obwohl ich die ganze Zeit ARD geschaut habe. Ich hatte Monica Lierhaus auch nicht unbedingt im Programm erwartet, ich hatte die Frau auch nicht bei der Verleihung der Goldenen Kamera erwartet und ich weiß bis heute nicht, was ich von diesem Auftritt halten soll. Obwohl also Lierhaus nicht im Fernsehen war, war sie auf dem Titelbild des Fachmagazins „Bunte“. Das Foto zeigte sie während ihrer Rede am Samstag, die Zeile dazu lautete: „Die größte Liebesgeschichte!“ Anfang Oktober titelte das Blatt über Monica Lierhaus: „Zurück im Leben!“, Anfang Februar 2010 hieß es: „Das Wunder!“ Wunder, Leben, Liebe – manchmal scheinen die Dinge einer inneren Logik zu folgen.

Im Fernsehen war sie allerdings trotzdem nicht, im „Star Quiz“ der ARD saßen andere Stars, zum Beispiel Frank Elstner, der sich als Kandidat mit dem Moderator Kai Pflaume ein paar dämliche Schwulenwitze zuspielte. So etwas muss man sich wohl anschauen, wenn man auf die Rede von Hosni Mubarak wartet, weil man mal dabei sein will bei einem historischen Moment und den Versprechungen der Experten geglaubt hat, die sagten, dass er seinen Rücktritt bekannt geben werde.

Er sprach dann sehr lange und die Rede von Mubarak war schlechter als die Rede von Monica Lierhaus bei der Goldenen Kamera, obwohl die Grundaussage irgendwie dieselbe war. Lierhaus sagte in die Kameras den Satz: „Da bin ich.“ Mubarak sagte – nicht wörtlich, aber so war es wohl gemeint: „Ich bleibe hier.“ Und während sich über Lierhaus Ankündigung die Menschen freuten, steigerte sich der Zorn der Menschen über Mubarak ins unermessliche.

Ich wundere mich immer darüber, wie einer nicht merken kann, dass man ihn nicht will. Ich merke so etwas dauernd, es ist ja auch gar nicht so schwer. Ein einziger negativer Kommentar auf diese Kolumne – und schon plagen mich Rücktrittsgedanken und ich muss eine Woche lang von mehreren Redakteuren zum Weitermachen überredet werden. Ich glaube, das liegt daran, dass ich niemandem auf die Nerven gehen will – und ich bin immer wieder erstaunt, dass viele dieses Gespür nicht haben.

Wie komme ich jetzt auf Thomas Gottschalk? Ach so, genau: Am Samstag läuft „Wetten, dass...?“, die Sendung feiert an diesem Tag 30-jähriges Jubiläum, es ist die erste Sendung nach dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch – und das sind zwei gute Gründe, warum ich mir die Show anschauen werde und dann für den Tagesspiegel darüber schreibe. Der „Stern“ hat bereits jetzt über „Wetten, dass...?“ geschrieben – während die „Bunte“ Lierhaus auf dem Cover hatte, brachte der "Stern" Samuel Koch aufs Cover – zwei Fernsehthemen, die mit Unglück und Leid zu tun haben, und die die Menschen wohl bewegen, sonst würden die Magazine nicht ihr Heft mit solchen Geschichten verkaufen.

Das Fernsehen also spielt gerade wieder eine Rolle – und nicht das Internet, nicht die Sozialen Netzwerke, auch wenn manche Kommentatoren immer noch von einer „Facebook-Revolution“ in Ägypten schreiben (Wie viele Facebook-Freunde hat eigentlich Hosni Mubarak?). Denn es war auch der Fernsehauftritt eines Bloggers am vergangenen Montag, der das Volk berührte und bewegte und dem Protest und der Wut einen neuen Schub gab. Anscheinend hat das Fernsehen nichts von seiner Kraft verloren.

Es sei denn, das Fernsehen versucht, irgendwas mit dem Internet zu machen – denn auch das sah ich am Donnerstagabend in der ARD: Tom Buhrow befragte eine Mitarbeiterin in Köln, die dort „das Internet beobachtet“. Warum sie das von Köln aus machen muss, wurde nicht erklärt. Die Internetbeobachterin beobachtete jedenfalls Dinge im Internet, die man zuvor auch im Fernsehen sah. Und Tom Buhrow bat sie, damit unbedingt weiterzumachen.

Ich habe im Moment übrigens keinen Internetanschluss zu Hause, ich will aber nicht jammern über Telekommunikationsunternehmen, ich glaube, die bemühen sich wirklich. Außerdem habe ich auch nicht das Gefühl, irgendetwas zu verpassen. Ich bekomme leider das meiste mit.

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