Kamala Harris: : „Obama und ich verteidigen die Frauenrechte“

Sie ist - nach Aussagen des amerikanischen Präsidenten, für die er sich dann entschuldigt hat - die am besten aussehende Justizministerin der USA. Ein Porträt

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Darf Amerikas Präsident das Aussehen einer Politikerin preisen, die zudem eine gute Freundin ist – oder ist das sexistisch? Es gab in den jüngsten Tagen den Versuch, einen Skandal daraus zu machen. Aber der große Aufschrei ist ausgeblieben. Vielleicht sind die USA nicht ganz so prüde und „Correctness“-getrieben, wie oft behauptet wird.

Es klang so, als habe Obama das Risiko einkalkuliert, auf den vorhersehbaren Applaus aber nicht verzichten wollen, als er die Bemerkung vergangene Woche vor Geldgebern der Demokratischen Partei in San Francisco machte: Er müsse ja vorsichtig sein und darauf achten, dass er zuerst Kamala Harris’ Klugheit und ihre professionelle Eignung lobe, betonte er, ehe er unter breitem Grinsen hinzufügte: Sie ist zufällig auch die am besten aussehende Justizministerin im Land!

Kamala Harris ist eine der Zukunftshoffnungen der Demokratischen Partei an der Westküste. Derzeit ist die 48-Jährige Kaliforniens Justizministerin, aber auch als Anwärterin für höhere Ämter im Gespräch: Gouverneurin von Kalifornien, Bundesverfassungsrichterin oder Bundesjustizministerin. Beim Parteitag im September 2012 bekam sie einen der begehrten Rednerplätze. In ihrem sechsminütigen Auftritt hob sie hervor, Obama verteidige genau wie sie selbst die Rechte von Frauen und Familien. Die beiden verbindet manches, zum Beispiel ein schwarzer Vater aus dem Ausland. Ihrer kam aus Jamaica und wurde Ökonomieprofessor in Stanford. Ihre Mutter ist eine Krebsspezialistin aus Indien.

Nur wenige Stunden nach Obamas Bemerkung folgten die ersten Angriffe im Internet: Das sei billiger Sexismus. Würde der Präsident solche Bemerkungen über männliche Politiker machen? Ebenso rasch fanden sich Verteidiger. Obama sage auch über männliche Kandidaten gerne, dass sie gut aussehen. Sein Sprecher Jay Carney versuchte die Debatte rasch zu beenden: Obama habe sich telefonisch bei Harris entschuldigt; er wolle nicht, dass seine Worte von ihren beruflichen Qualitäten ablenken. Ebenso wichtig war wohl, keine Ablenkung von seinen politischen Prioritäten zuzulassen: Haushalt, Einwanderungsreform, Waffenrecht. Salomonisch kommentiert Ruth Marcus in der „Washington Post“: Sie sei hin- und hergerissen. Es sei einfach, aber auch zu billig, Obama Sexismus vorzuwerfen. Natürlich spiele das Aussehen von Politikerinnen eine enorme Rolle. Man dürfe das nur nicht laut sagen, schon gar nicht als Präsident. Christoph von Marschall

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