Meinung : Kampf bis aufs blaue Blut

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750 Millionen Zuschauer weltweit sahen 1981 die erste Hochzeit des englischen Thronfolgers Prinz Charles im Fernsehen. So viele werden es diesmal nicht sein, wenn Charles am Freitag zum zweiten Mal heiratet. Aber ein paar mehr als bei „Bianca“, „NachTisch“ oder „Wunderbare Welt“. So heißen die Sendungen, die normalerweise bei den Öffentlich Rechtlichen am Freitag Nachmittag laufen. Besser also, man schaltet live nach London. Das ZDF wollte sich mit der ARD koordinieren, denn so eine Live-Berichterstattung ist teuer, doch das Erste ließ sich darauf nicht ein: „Beim Markenprodukt ,Blaues Blut’“, hieß es, „war das Erste nun mal zuerst dran.“ Jetzt stellen beide ihre Ü-Wagen vor das Londoner Standesamt. Der Gebührenzahler zahlt ja. Es ist eine dieser öffentlich-rechtlichen Possen. Natürlich sollen die öffentlich-rechtlichen Sender miteinander konkurrieren. Jeder muss für sich das beste Programm machen: bei den Nachrichten, beim Sport und den Fernsehfilmen. Aber ist „Blaues Blut“ wirklich ein „Markenprodukt“, bei dem sich gebührenfinanzierte Sender gegeneinander profilieren sollten? Die ARD wird mit ihrem Experten Seelmann-Eggebert vielleicht ein paar Marktanteilsprozente mehr einfahren als der Mainzer Konkurrent. Auch RTL und n-tv, die ebenfalls berichten, wird sie wohl hinter sich lassen. Dafür hat sie den Gegnern des öffentlich-rechtlichen Systems ein Argument mehr geliefert. nol

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