Kampf im Gazastreifen : Strategie des Irrtums

So stark die israelischen Argumente für die Militäraktion "Gegossenes Blei" in Gaza auch sind, so zweifelhaft bleibt die Strategie. Denn die Hamas-Herrschaft über den Gazastreifen ist ein politisches Problem, das militärisch nicht zu lösen ist.

Charles A. Landsmann

Amos Oz hat recht. Für Israels bekanntesten Schriftsteller ist die Schuldfrage geklärt: „Die Hamas ist hundertprozentig schuld am Niedergang im Gazastreifen. Doch jetzt ist der Zeitpunkt für einen Waffenstillstand gekommen.“ Das ist einfacher gesagt als getan. Noch scheinen beide Seiten kampfentschlossener denn je zu sein. Die Hamas aus Rache. Israel, weil es erfolgsbeschwingt ist. Die Regierung in Jerusalem betreibt eine äußerst effektive Informationspolitik – im deutlichen Gegensatz zu früheren Waffengängen. Allerdings: So stark die israelischen Argumente für die Militäraktion „Gegossenes Blei“ auch sind, so zweifelhaft bleibt die Strategie. Ein schneller Waffenstillstand scheint unmöglich, dazu sind die Kampfeslust und der Vernichtungswille der Hamas zu groß.

Ursprünglich sah die Taktik der israelischen Armee vor, die Hamas insgesamt in die Niederlage zu zwingen. Die politische, soziale und militärische Infrastruktur der Islamisten sollte zerstört werden. Die Hamas sollte die Macht im Gazastreifen verlieren, die sie sich mittels Putsch angeignet hatte. Schon einige Wochen vor dem aktuellen Waffengang klangt dann vor allem Verteidigungsminister Ehud Barak plötzlich gemäßigter: Es gelte (nur noch) die Hamas zu schwächen.

Als erster zionistischer Politiker fordert nun Chaim Oron, der neue Chef der israelischen Linkspartei Meretz, die Regierung Olmert auf, ihre Kampfstrategie zu mäßigen. Es dürfe realistischerweise nur darum gehen, einen stabilen anhaltenden Waffenstillstand zu erreichen. Strategisches Ziel habe es nur zu sein, jeden weiteren Raketenbeschuss israelischer Ortschaften zu verhindern. Dies aber ist mit militärischen Mitteln unmöglich. Das hat der Libanonkrieg gegen die Hisbollah gezeigt. Auch die Hamas-Herrschaft über den Gazastreifen ist ein politisches Problem, das militärisch nicht zu lösen ist.

Wenn eine für beide Seiten verlustreiche israelische Bodenoffensive im letzten Augenblick vermieden werden soll, dann müssen Israel und die Hamas notfalls von dritten Parteien zu ihrem Glück gezwungen werden. Die Aufforderung zu vermitteln, muss sich dabei nicht nur an die arabischen Staaten, sondern auch an die Europäische Union richten. Denn die USA sind zurzeit politisch gelähmt.

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