Kandidatur : Klaus Keese will Berliner Polizeipräsident werden

Er bezeichnet sich selbst als "leidenschaftlichen Berliner" und weiß, dass die Politik nach einem wie ihm sucht: Klaus Keese, Leiter der Berliner Polizeidirektion 1, bewirbt sich offensiv für das Amt des Polizeipräsidenten.

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Kandidat Klaus Keese.
Kandidat Klaus Keese.Foto: DAVIDS

Kein Parteibuch ist manchmal besser als das falsche. Das gilt auch, manche sagen ganz besonders, wenn man Polizeipräsident von Berlin werden will. Die Ausschreibung für die Nachfolge von Dieter Glietsch hat gerade begonnen, alle warten darauf, wer sich bewerben wird. Eine offensive Bewerbung gibt es bereits: Sie kommt aus Berlins Norden, vom Leiter der Direktion 1. Klaus Keese sagt über sich: „Ich bin leidenschaftlicher Berliner. Ich bin leidenschaftlicher Polizist. Ich bin leidenschaftlicher Polizeiführer.“

Keese bewirbt sich so offensiv um das Amt, dass sich manche in der SPD schon fragen, ob er sich nicht etwas weit aus dem Fenster hängt. Keese weiß, dass sich die Parteien – die der Regierung wie der Opposition – eine Berliner Lösung wünschen. „Wir brauchen keinen aus der Provinz, der beim ersten Steinwurf wegrennt“, ist von einigen zu hören. Andere drücken es diplomatisch aus: „Bei allen schwierigen Einsätzen, ob beim Castor oder in Heiligendamm, sind Berliner Beamte heißbegehrt. Dann müssen wir auch die Stelle selbst besetzen können.“

Der 60-jährige Keese wirbt für sich: „Mir ist nie ein Einsatz danebengegangen.“ Das kann auch Michael Knape sagen, der ebenfalls Direktionsleiter ist, ebenfalls seit Jahrzehnten Polizist in Berlin, ebenfalls Polizist von ganzem Herzen. Doch anders als Keese hat Knape ein Parteibuch, das der CDU. Und genau das lässt ihn zögern, sich zu bewerben. Knape erinnert sich zu gut daran, wie die Berliner SPD mit Gerd Neubeck bei der letzten Besetzung des Präsidentenpostens umgegangen ist: Der Nürnberger galt 2002 nach dem Auswahlverfahren als allerbester Kandidat – bis die SPD die Notbremse zog und den Kandidaten Glietsch (mit SPD-Parteibuch) aus dem Hut zauberte. Alle, die sich daran erinnern, sagen noch heute: Ein beschämendes Schauspiel, für Neubeck und für die Polizei.

Die anderen Direktionsleiter interessieren sich nicht für den Job. Auch eine andere, immer wieder genannte Kandidatin hat jede Bewerbungsabsicht dementiert: die aktuelle Vizepräsidentin, erst seit einem guten halben Jahr im Amt und Juristin, nicht Polizistin. Viele im Präsidium trauen der 48-jährigen Margarete Koppers den Posten durchaus zu – doch noch nicht heute. Insider entwerfen deshalb dieses Szenario: Keese wird jetzt Präsident. Da er in spätestens sechs Jahren aus Altersgründen ausscheiden muss, kann dann Frau Koppers kommen. Sie wäre dann erst 54.

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