Meinung : Kardinal Fehler

STERZINSKY FÜR BOYKOTT

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Als Zeichen find ich’s gut. Ein populärer Satz, der in Zeiten eines Krieges bei vielen Gelegenheiten seinen Platz hat. Es gehört dazu, dass in der Hitze der Auseinandersetzung die Zeichen manchmal nicht ganz passen, dass auf den einen peinlich sentimental oder völlig abwegig wirkt, was andere in der Seele rührt. Jugendlichen Überschwang, der kleine Missgriffe tolerabel macht und große diskussionsfähig, kann ein führender Kirchenmann für sich nie und nimmer geltend machen. Was hat Kardinal Sterzinsky sich nur dabei gedacht, als er die Frage nach einem Produktboykott nicht nur mit einem, sondern gleich mit zwei Sätzen öffentlich befürwortet hat? Ein katholischer Kardinal in Berlin, sollte man denken, muss das Wort vom Boykott doch scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Der Krieg verunsichert viele Menschen darüber, ob die Fundamente zwischen Deutschen und Amerikanern noch sicher sind, auf die wir Jahrzehnte gebaut haben. Da müssen Ton und Wort der Institutionen besonders verlässlich sein, die ein langes Gedächtnis bewahren und verinnerlicht haben, was einzelne Menschen manchmal vergessen dürfen. Boykott, von Deutschen gegen Amerikaner? Da müssten doch alle Instinkte eines führenden Katholiken wach sein und raten: Nein. Vermutlich hat Kardinal Sterzinsky bei seiner törichten Antwort einfach nicht nachgedacht. Wir haben uns aber darauf verlassen, dass einer wie er unüberlegt das Richtige sagt.tib

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