Meinung : Kaschmir-Konflikt: Choreographie der Erregung

clw

Indiens Premier Vajpayee ist nicht zu beneiden. Einerseits kann er den Terror-Angriff auf das Parlament in Neu-Delhi nicht unbeantwortet lassen. Andererseits nützt selbst ein begrenzter Krieg mit Pakistan niemandem. Zudem birgt er die Gefahr einer atomaren Eskalation. So fletscht Vajpayee vor seiner nationalistischen Hindu-Partei BJP die Zähne und schlägt das Gesprächsangebot von Pakistans Militärmachthaber Musharraf aus. Als dramatische Geste wird gar das Mausoleum Taj Mahal verhüllt, um es vor Luftangriffen zu schützen: Eine Choreographie der Erregung, von der alle hoffen, dass sie nicht aus dem Ruder läuft. Zwar hat Indien Recht, dass Pakistan den Terroristen in Kaschmir zuviel Spielraum lässt. Doch die Probleme in der geteilten Provinz sind hausgemacht, verweigert Indien den Kaschmiris doch seit Jahrzehnten die von der Uno geforderte Volksabstimmung darüber, zu welchem Staat sie gehören wollen. Diesen Konflikt zu lösen, wird Jahrzehnte dauern. Zur kurzfristigen Krisenbewältigung wird hinter den Kulissen nun alles getan, damit sich beide Premiers beim Südasiengipfel in Nepal doch begegnen. Und sei es "rein zufällig".

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